Dienstag, 28. Mai 2024
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Bekommt Wien bald sein erstes queeres Museum?

Die Politik ist angetan - doch es gibt derzeit noch nicht einmal einen fixen Ort

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In Wien arbeitet eine Künstlergruppe am Aufbau eines queeren Museums. Das berichtet die Tageszeitung Der Standard. Die Politik ist von dem Projekt angetan – doch bis das erste Museum dieser Art wirklich eröffnet, ist es noch ein weiter Weg.

Bereits im Jänner 2021 soll es die erste Ausstellung geben

Bereits im Jänner 2021 will das Team des QueerMuseumVienna seine ersten Ausstellung eröffnen, vorerst noch an einer temporären Location. Daran arbeitet eine Gruppe queerer Künstler, Kuratoren und Historiker. Queere Kunst soll gesammelt und in ihren Kontext gesetzt werden. Vorbilder sind unter anderem das Schwule* Museum in Berlin oder das Leslie Lohman Museum of Art in New York.

„Ein Laboratorium, ein Ort, an dem das Thema Queerness verhandelt werden kann“ soll es werden, erklärt Mitinitiator Florian Aschka im Standard. Er möchte etwas versuchen, „das sich nicht an die Spielregeln verstaubter Museen halten muss“ – zum Beispiel die an anderen Orten bereits erfolgreichen Kinderbuch-Lesungen mit Drag Queens.

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Auch der Begriff „queer“ soll immer wieder neu diskutiert werden

Denn auch der Begriff „queer“ selbst ist kein statisches Konstrukt, sondern soll immer wieder neu diskutiert werden. „Queer ist eine Denkweise“, erklärt Hannes Sulzenbacher, Kurator und Co-Leiter des Zentrums für queere Geschichte QWien, das ebenfalls ein Teil des Museumsprojekts ist.

Einer der Schwerpunkte des Museums soll deshalb auch auf der Geschichte der Community liegen. „Denn queere Kunst kann nur in ihrem geschichtlichen Kontext verstanden werden“, so Sulzenbacher. Basis dazu ist das QWien-Archiv, das seit mehr als 40 Jahren Zeugnisse des schwulen und lesbischen Lebens in Wien sammelt.

Und auch bei queerer Kunst muss sich Wien nicht vor anderen Metropolen verstecken. „Die Stadt hat eine weltweite Strahlkraft was Queerness angeht“, so Aschka. Zwei Ikonen der queeren Kunstszene, die Künstlerinnen Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl, die Österreich auf der Kunstbiennale in Venedig 2021 vertreten, werden auch Schirmherrinnen des Projekts sein.

Noch wird nach einem fixen Standort für das queere Museum gesucht

Doch noch sind all diese engagierten Pläne noch nicht in trockenen Tüchern. Derzeit wird noch ein Platz gesucht, an dem die erste Ausstellung des QueerMuseumVienna im Jänner 2021 stattfinden kann. Langfristig braucht man aber einen fixen Standort – für das notwendige Geld hoffen Aschka und Sulzenbacher auf die Stadt Wien und den Bund.

Für die Stadt, die sich gerne als Regenbogenhauptstadt präsentiert, wäre es ein logischer Schritt, die breite Museumslandschaft der Stadt auch um ein queeres Museum zu erweitern. Dementsprechend hatten sowohl die Wiener Sozialdemokraten als auch die Grünen die Idee eines queeren Museums in ihren Wahlprogrammen. Nun wollen die Organisatoren Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler von der SPÖ treffen, um mit ihr über die Museumspläne zu reden.