[Galerie] Analog und verletzlich: Junge Burschen, so pur wie möglich festgehalten

Die Modelle wurden "so pur wie möglich" festgehalten

Nudes/Richard Kranzin
Richard Kranzin/Salzgeber

Kaum etwas hat die Fotografie in den letzten Jahren so revolutioniert wie die Digitaltechnik. Der Berliner Fotograf Richard Kranzin geht für sein Buch „Nudes“ bewusst einen Schritt zurück: Der 30-Jährige zeigt 104 seiner analog gemachten Aufnahmen, die er bis 2018 gemacht hat. Dabei ist ein Buch entstanden, das seine eigene Lyrik hat, und einen intimen Blick auf seine Modelle freigibt.

Kranzin geht der Maskulinität auf den Grund

Kranzin geht in seinem Buch, das im Salzgeber-Verlag erschienen ist, der Verletzlichkeit von Maskulinität auf den Grund, wie er sagt. Das analoge Schwarz-Weiß-Bild erzähle die jungen Männer der digital sozialisierten Generation „so pur wie möglich“, verleihe ihrer Körperlichkeit „neue Haptik“, wie es der Fotograf selbst nennt.

Und so ist er das Risiko der Analogfotografie eingegangen. Belichten des Negativmaterials, entwickeln und dann das Herstellen der Abzüge: Das Ziehen der Bilder durch Entwickler-, Stopp- und Fixierbad. Kranzin verzichtet auf die unendliche Vielfalt der gemachten Bilder, die bei einem digitalen Shooting entstehen, und auch die ebenso unendlichen Möglichkeiten der Bearbeitung.

Ein präziser Blick sorgt für einzigartige Fotos

Das erfordert einen genauen Blick beim Machen der Fotos – und diesen Blick hat der 30-Jährige. Er entscheidet schon beim Fotografieren präzise, welche Position, welche Haltung, welchen Blick oder welche Stimmung das fertige Bild vermitteln soll. „Meine Modelle werden von ihrer kommerzialisierten Selbstdarstellung in den sozialen Medien, ihrer digitalen Identität, entkoppelt“, sagt Kranzin dazu.

Und so glaubt man fast, beim einen oder anderen Foto das charakteristische Klicken einer analogen Kamera zu hören. Jenen Moment, in dem sich der Kameraverschluss öffnet, und mit ihm ein kurzer Blick in die Seele des Models – festgehalten für die Ewigkeit. „Diese Fotoreihe lässt von einer sündenfreien Männlichkeit, von Wahrhaftigkeit und realer Sinnlichkeit träumen“, sagt der Fotograf. Und es ist ihm gelungen.