Dienstag, 28. Mai 2024
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Vienna Pride: Rechtsextreme machen gegen Kinderbuchlesung mit Drag Queen mobil

Nun muss die Community zusammenhalten

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Am Freitag liest die bekannte Wiener Drag Queen Candy Licious im Rahmen der Vienna Pride Kindern aus queerfreundlichen Kinderbüchern vor. Nun macht das rechtsradikale und klerikal-konservative Millieu gegen diese Veranstaltung mobil. Die Community hält dagegen.

Eine Lesung für Kinder ab fünf Jahren wird zum Politikum

„Kinderbuchlesung mit Candy Licious“ heißt die Versnstaltung der Vienna Pride, die das rechtskonsetvative Spektrum im gesamten deutschsprachigen Raum hyperventilieren lässt. Am Freitag um 15.30 Uhr liest die stadtbekannte Drag Queen in der Bücherei Mariahilfer in der Gumpendorfer Straße Kindern ab fünf Jahren aus den Büchern „Julian feiert die Liebe“, „Julian ist eine Meerjungfrau“ und „Der verliebte Koch“ vor.

In allen drei Büchern geht es darum, Kindern altersgerecht Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten näherzubringen. Nach der Lesung soll gemeinsam mit den Kindern über Stereotypen und Klischees sowie über Geschlecht, Freundschaften und Liebe philosophiert werden – eine Veranstaltung im Zeichen des gegenseitigen Respekts.

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„Kritische Bürger“ im Kampf gegen die „Gender-Ideologie“

Drag Queens, die Kindern vorlesen, sind bei uns noch selten. In den USA erfreuen sich solche Veranstaltungen großer Beliebtheit — außer beim rechten und konservativen Rand. Und der macht auch in Wien gegen die Veranstaltung mobil.

So schreibt der ehemalige Journalist Boris Reitschuster auf seinem rechtskonservativen Blog mit Hang zu „alternativen Wahrheiten“, man könne sich „schon jetzt ausmalen, mit welchen Fragen ihres Nachwuchses sich die Eltern in Wien in den Tagen nach dieser ‚Kinderbuchlesung‘ konfrontiert sehen werden“. „Je früher mit der Indoktrinierung der Gender-Ideologie begonnen wird, desto besser, scheint hier das Motto zu sein“, echauffiert sich Reitschuster.

Eine rechtskonservative Allianz gegen den Regenbogen

Und er ist nicht allein: Auch die rechtsextremen Identitären und christliche Fundamentalist:innen machen mit aller Kraft gegen die Kinderbuch-Lesung von Candy Licious mobil. Nationalist:innen der „Aktion rot-weiß-rot“ haben auf Telegram zu einem „friedlichen Protest“ gegen die Veranstaltung aufgerufen.

Für Candy Licious ist das unverständlich: „Ziel dieser Lesung soll es sein, dass Kindern vermittelt werden soll, dass man auch im Erwachsenen Leben eine Prinzessin, ein Einhorn oder Glitzer tragen darf, und man den Kindern an Hand von Büchern wie ‚Julian ist eine Meerjungfrau’ zeigt dass Liebe einfach Liebe ist“, sagt sie gegenüber GGG.at.

Candy Licious spürt die Folgen der Hetze mittlerweile am eigenen Leib

Den Hass und die Empörung dieser Einpeitscher bekommt mittlerweile auch die Drag Queen zu spüren: „Ich persönlich wurde mittlerweile online als pädophil bezeichnet, was mich natürlich sehr verärgert, dass queer sein und pädophil gleich gesetzt wird“, fühlt sie sich an vergangene Zeiten zurückerinnert.

Man möge „sowohl die „Pride“-Verantwortlichen als auch die Bücherei mittels Zuschriften davon überzeugen, dass diese Veranstaltung keine gute Idee sei. Falls dies scheitert, sollen möglichst viele kritische Bürger zur Veranstaltung kommen, um das dortigen Treiben aufmerksam zu beobachten“, heißt es in dem den Identitären nahestehenden Portal Tagesstimme.

Es gibt auf etlichen ähnlichen Seiten fast gleichlautende Drohungen und unzählige Hasskommentare, Das Ziel ist es offenbar, die Kinderbuch-Lesung in der Gumpendorfer Straße zu stürmen und die Veranstaltung zu stören. Eine ähnliche Aktion gab es bereits vor einigen Jahren bei der Schlussveranstaltung der Regenbogenparade.

Zahlreiche Unterstützung aus der Community

Doch die beliebte Drag Queen bekommt massenweise Unterstützung aus der Community. „Halten wir als Community zusammen und unterstützen wir Candy“, schreibt etwa ihre Kollegin Tamara Mascara auf Facebook. Auch etliche andere Persönlichkeiten aus der Community rufen dazu auf, die Drag Queen und die Veranstaltung vor den feindlich gesinnten Menschen zu unterstützen.

Die einfachste Möglichkeit: Ebenfalls am Freitag zur Lesung zu kommen und damit Candy Licious und die Vielfalt in der Regenbogenhauptstadt Wien vor den Angriffen rechter und erzkonservativer Gruppen zu schützen.

Candy Licious will sich auf jeden Fall nicht unterkriegen lassen: ihr zeigt die Empörung, „dass wir noch viel zu tun haben und ich möchte mir als Ziel setzten, solche Lesungen öfters zu veranstalten und weiterhin versuchen die Welt ein bisschen friedlicher zu machen“, gibt sie sich gegenüber GGG.at weiter kämpferisch.