Freitag, 31. Mai 2024
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Zwei Tote bei Anschlag auf queere Bar in Bratislava

Der 19-jährige Tatverdächtige soll sich danach selbst getötet haben

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In Bratislava hat ein Mann gestern, Mittwoch, vor einer LGBTI-Bar in der Innenstadt zwei Männer erschossen und eine Frau schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter, ein 19-Jähriger, ist ebenfalls tot. Er dürfte sich selbst getötet haben. Das hat die Polizei der slowakischen Hauptstadt heute Vormittag bekanntgegeben. Details zum Stand der Ermittlungen werden im Laufe des Tages erwartet.

Der Täter kam gegen 19.00 Uhr, wartete und schoss

Nach bisherigen Informationen soll der 19 Jahre alte Juraj K. kurz vor 19.00 Uhr vor dem Café Tepláreň in der historischen Altstadt von Bratislava sieben bis zehn Schüsse abgegeben haben. Medienberichten zufolge zeigen Aufnahmen einer Videokamera, wie der Attentäter etwa 40 Minuten lang in der Nähe der Bar gestanden habe.

Dann habe er mit der Waffe, offenbar einer Pistole mit Laserpointer, auf Matúš und Juraj geschossen, die auf einer Bank vor der Bar saßen und Limonade tranken. Die beiden jungen Männer starben noch am Tatort. Bei einem der Toten handelt es sich um einen Studenten der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava. Dort liegt nun ein Kondolenzbuch auf.

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Täter und Opfer kannten sich nicht

Einer Kundin des Cafés hat der 19-Jährige offenbar ins Bein geschossen. Sie wurde mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht. „Sie schickte uns eine Nachricht, dass es ihr gut gehen würde”, berichtete Roman Samotný, Besitzer des Cafés, der slowakischen Zeitung SME. 

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge kannten sich der Täter und seine Opfer nicht. „Ich bin entsetzt über die offensichtlich lange geplante Tat. Die Opfer haben nichts falsch gemacht, sie saßen auf einer Bank. Sie starben nur, weil sie geboren wurden“, so Roman Samotný, Besitzer des Cafés, zum Nachrichtenportal sme.sk.

In Sozialen Netzwerken bekannte sich der 19-Jährige zu der Tat

Wie das Nachrichtenportal sme.sk weiter berichtet, soll sich der mutmaßliche Täter später in Sozialen Netzwerken selbst zur Tat bekannt haben, bevor er sich vermutlich selbst tötete. Seine Leiche ist von einem Spaziergänger gefunden worden. Die Waffe gehörte seinem Vater, einem ehemaligen Politiker einer mittlerweile aufgelösten rechten Kleinpartei. 

Nach dem Verbrechen soll er auf Twitter und einer anderen Plattform stundenlang Hassbotschaften gegen sexuelle Minderheiten gepostet haben, unter anderem auch eine Art Manifest mit homophoben und antisemitischen Inhalten. Der slowakische Ministerpräsident Eduard Heger bestätigte zu Mittag außerdem, dass der Täter auch Fotos von seiner Wohngegend gemacht hat.

Sonderstaatsanwalt Daniel Lipšic zufolge handelte der Täter vermutlich aus Hass gegenüber Personen anderer Rasse oder einer anderen sexuellen Orientierung. Er verspricht eine umfassende Aufklärung der Tat. „In diesem Moment werden andere Personen verhört, Beweise gesichert“, sagte er. Es würden weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Tat so umfassend wie möglich zu untersuchen.

Für morgen um 17.00 Uhr ist ein Gedenkmarsch geplant

Die Accounts sind jetzt nicht mehr zugänglich. Die Polizei von Bratislava will mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht bestätigen, dass die Accounts tatsächlich dem 19-Jährigen gehören und er die Botschaften gepostet hat. Weitere Details sollen im Lauf des Tages bekanntgegeben werden. 

Die Community in der slowakischen Hauptstadt ist erschüttert: “Wir sind schockiert über die Nachricht über den Schussangriff und die Opfer in der Bar Tepláreň, wo wir uns regelmäßig treffen”, so die Bratislava Pride in einer ersten Stellungnahme. Vor dem Café haben Bürger:innen Blumen und Kerzen niedergelegt. Für morgen um 17.00 Uhr ist eine Gedenkmarsch geplant. Er soll in der Nähe des Tatorts beginnen.