Samstag, 20. April 2024
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Zu wenig Förderung? Pride Village abgesagt

Nach zwei Jahren Corona-Notprogramm soll die Vienna Pride heuer wieder im alten Glanz erstrahlen. Doch ein wichtiges Element soll fehlen: Das Pride Village am Rathausplatz. Der HOSI Wien zufolge trägt der zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr dafür die Verantwortung. Das im Koalitionsabkommen zwischen SPÖ und Neos vereinbarte Ziel, die World Pride nach Wien zu holen, könnte damit in weite Ferne rücken.

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Es sind schlechte Neuigkeiten, die heute von der HOSI Wien, Veranstalterin der Regenbogenparade, und der Stonewall GmbH, Veranstalterin der Vienna Pride, kommen: Die Pride wird auch dieses Jahr ohne das beliebte Pride Village am Rathausplatz auskommen müssen. Grund dafür sei die niedrige Förderung der Stadt Wien, so die HOSI Wien und die Stonewall GmbH als Veranstalterinnen..

Höhere Kosten, aber weniger Förderung als vor Corona

Denn die Förderung der Stadt Wien für die Pride sei „erheblich niedriger als noch vor Corona, womit die seit 2018 massiv gestiegenen Sicherheits- und Veranstaltungskosten nicht gedeckt werden können“, heißt es von der HOSI Wien. Zuständig dafür ist Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr von den Neos. Vorgeschrieben werden die Auflagen für die Sicherheit vom Magistrat der Stadt Wien – sollten also auch dem Büro des Vizebürgermeisters bekannt sein.

„Denn für zehntausende Menschen braucht man Sicherheitspersonal, Schleusen, Bewegungskonzepte und mehr“, sagt sie: „Und da ist noch kein Cent für Bühne, Lautsprecher oder andere Veranstaltungstechnik ausgegeben, für die die Preise seit Corona um rund 30 Prozent gestiegen sind“, fügt Otte hinzu.

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Die Förderung für das Pride Village würde gerade für die Sicherheitskosten reichen

„Das Büro des zuständigen Stadtrats Christoph Wiederkehr hat uns informiert, dass man Vienna Pride heuer nur mit 175.000 Euro unterstützen kann. Allein die Kosten für die Sicherheit der Besucherinnen würden aber 160.000 Euro ausmachen“, sagt Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien.

Die nach Sicht der HOSI Wien zu geringe Förderung führe dazu, dass die HOSI Wien und die Stonewall GmbH das Pride Village für dieses Jahr absagen müssen. Der Vizebürgermeister selbst sieht das naturgemäß anders: Es wären dieses Jahr „um 15% mehr Fördermittel zur Verfügung gestanden. Damit wäre die Veranstaltung sehr gut durchführbar gewesen. Für mich ist die Absage nicht nachvollziehbar“, so Wiederkehr gegenüber GGG.at. Was er nicht dazusagt: Im letzten Jahr, auf das er sich bezieht, hat es kein Pride Village gegeben.

„Hier werden Kultur und Gemeinschaft zerstört“

Damit dürfte die Vienna Pride heuer vor allem aus dezentralen Veranstaltungen und der Regenbogenparade selbst bestehen. Das Herz der Pride – das Pride Village – wird heuer fehlen. „Im Pride Village wird Akzeptanz und Solidarität gelebt, hier präsentieren sich Vereine, die Szene-Gastro tritt geschlossen auf, queeren jungen Menschen wird Mut gemacht und LGBTIQ-Künstlerinnen stehen vier Tage prominent auf der Bühne. Hier geht ein wichtiges Stück LGBTIQ-Kultur und queeren Lebens in Wien verloren. Hier werden Kultur und Gemeinschaft zerstört“, erklärt Katharina Kacerovsky-Strobl, Organisatorin von Vienna Pride und Geschäftsführerin der Stonewall GmbH.

„Wir sind enttäuscht, dass Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr dafür keine Lösung gefunden hat. Denn leiden wird darunter die LGBTIQ-Community, der eine wichtige Möglichkeit für Sichtbarkeit und Austausch genommen wird“, meint auch HOSI-Wien-Obfrau Otte. Zusätzlich sorgt die Vienna Pride in Wien pro Jahr für eine Wertschöpfung in der Höhe von durchschnittlich 120 Millionen Euro – ein Betrag, der ohne Pride Village deutlich kleiner ausfallen dürfte.

Doch vielleicht ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Die Pride und das Pride Village leisten einen ganz wichtigen Beitrag, um die Vielfalt und Buntheit in Wien sichtbar zu machen“, betont Wiederkehr auf GGG.at-Anfrage: „Ich werde mich jetzt dafür einsetzen, dass es ein attraktives und buntes Angebot geben wird, um das Pride Village zu retten.“

Der Rückbau der Infrastruktur macht auch eine World Pride in Wien unwahrscheinlicher

Denn eine Absage würde Folgen haben, die über das aktuelle Jahr hinausgehen. Das Team der Vienna Pride muss nach jetzigem Stand seine Infrastruktur deutlich reduzieren. „Damit geht über viele Jahre aufgebautes Know-how verloren“, macht Kacerovsky-Strobl klar.

„Ohne diese Strukturen und ohne ein Pride Village rückt eine Bewerbung für die World Pride, zu der sich Christoph Wiederkehr im Koalitionsprogramm bekannt hat, in weite Ferne“, so die erfahrene Organisatorin der Vienna Pride.

Die Regenbogenparade und andere Veranstaltungen sind nicht betroffen

Von der Absage des Pride Village nicht betroffen ist die Regenbogenparade selbst. Diese wird ehrenamtlich von der HOSI Wien organisiert und am 17. Juni wieder „andersrum“ über den Ring ziehen.

Auch die Veranstaltungen der Vienna Pride, die nicht im Pride Village geplant sind, werden stattfinden. „Wir werden also den Schwerpunkt auf diese Pride-Veranstaltungen legen und gemeinsam mit der Community Wien auch heuer wieder zwei Wochen lang in allen Farben des Regenbogens erstrahlen lassen. Getreu dem heurigen Motto: Together we rise!“, so die Veranstalterinnen.

Update 13.20: Stellungnahme aus dem Büro von Vizebürgermeister Wiederkehr eingefügt

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