Freitag, 24. Mai 2024
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Chilenischer Weltklasseturner Tomás Gonzáles outet sich als schwul

Der chilenische Turner Tomás Gonzáles hat sich in seiner soeben erschienenen Autobiografie als schwul geoutet. Nun möchte der dreimalige Olympia-Teilnehmer eine Familie gründen.

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Tomás González, Spitzenturner aus Chile, hat sich kurz vor seinem Karriereende als schwul geoutet. „Ich nehme an, es ist kein Thema mehr, aber ja, ich bin schwul“, bestätigte er der Tageszeitung La Tercera in einem Interview. Seit sechs Jahren ist der 37-Jährige, der an drei Olympischen Spielen teilgenommen hat, in einer Beziehung, seinen Partner möchte er gerne heiraten und mit ihm gemeinsam Kinder haben.

In seiner frisch erschienenen Autobiografie spricht Gonzáles Klartext

Den Zeitpunkt seines öffentlichen Outings hat Gonzáles selbst bestimmt: Er schreibt in seiner soeben erschienenen Autobiografie „Champion: Lektionen, Triumphe und Stürze eines olympischen Turners“ erstmals über seine Homosexualität. „Wenn es darum geht, es öffentlich zu machen, ziehe ich es vor, es in diesem Buch zu tun“, erklärt er in dem Interview.

Aus dem Sport will er seine sexuelle Orientierung so weit wie möglich draußen halten. „Ich versuche, meinen Beitrag zur Gesellschaft durch Sport zu leisten, aber sich aktiv an der Politik zu beteiligen interessiert mich nicht“, so Gonzáles, und fügt hinzu: „Natürlich werde ich gleiche Rechte für alle immer unterstützen. Aber damit an die Öffentlichkeit zu gehen war nie mein Ziel.“

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Machismo und Homophobie als Probleme im Turnsport

Gonzáles war 24, als er wusste, dass er schwul ist. Da er aus einer traditionellen Familie kommt, war das nicht einfach für ihn: „Ich habe damals viel geweint“, erinnert er sich: „Ich war dabei, mich mit meiner Homosexualität zu arrangieren und hatte dabei das Gefühl, dass auch ein Teil von mir stirbt.“

Bis jetzt war der Australier Heath Thorpe der einzige offen schwule männliche Turner, der an internationalen Wettkämpfen teilnimmt. Unter den 186 geouteten LGBTI-Athlet:innen in Tokio war nur eine Turnerin. Den Grund dafür sieht Gonzáles im Turnsport selbst. „Machismo und Homophobie sind Probleme, die in der Gesellschaft und auch in der Turnhalle existieren“, ist er sich sicher.

Ein Trainer hat ihn nach einem Sturz als „Schwuchtel“ beschimpft

So erinnert sich Gonzáles in dem Buch, wie ihn ein Trainer 2007 als „Schwuchtel“ beschimpfte, nachdem er während eines Wettkampfes gestürzt war. „Ich war bereit, meine geistige Gesundheit zu opfern, um zu den Olympischen Spielen zu gelangen“, sagt er heute im Rückblick.

Tomás Gonzáles nahm an drei Olympischen Spielen teil: 2012 in London, 2016 in Rio und 2021 in Tokio. Eine Medaille blieb ihm dabei verwehrt, seine beste Platzierung war der vierte Rang in zwei Bewerben während der Spiele in London. Dafür hat der 36-Jährige bei den Panamerikanischen Spielen und Südamerikanischen Spielen zahlreiche Medaillen gewonnen.