Freitag, 19. April 2024
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Erster offen schwuler Landesbischof der Evangelischen Kirche tritt zurück

Der erste offen schwule Landesbischof der Lutheraner in Österreich, Lars Müller-Marienburg, legt sein Amt nieder. Grund dafür ist ein Burnout.

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Lars Müller-Marienburg, Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in Niederösterreich, legt nach sieben Jahren sein Amt nieder. Das hat er am Wochenende bekanntgegeben. Der Zeitpunkt des Abschiedsgottesdienstes und der Weg zur Wahl einer Nachfolge werden in den nächsten Tagen bekanntgegeben.

Ein Burnout setzte Müller-Marienburg außer Gefecht

Für die Entscheidung gebe es persönliche Gründe: Gegenüber dem ORF Niederösterreich  gab Müller-Marienburg an, durch eine Burnout-Erkrankung längere Zeit „außer Gefecht gesetzt“ gewesen zu sein. Sie habe auch zu dem Entschluss geführt, sein Amt zurückzulegen und aus dem Kirchendienst auszuscheiden.  Der 46-Jährige möchte sich nach einer Auszeit „beruflich umorientieren“. Eine Rückkehr in den Dienst der Kirche schloss Müller-Marienburg nicht dezidiert aus.

Maria Malekpour, die als Superintendentialkuratorin die höchste weltliche Repräsentantin der Diözese ist, bedauert diesen Schritt „außerordentlich“. Müller-Marienburg habe die evangelische Kirche in Niederösterreich „in hervorragender Weise in der Öffentlichkeit vertreten und den Zusammenhalt zwischen den evangelischen Gemeinden in der Diaspora gestärkt“. Es sei ihm gelungen, viele junge Pfarrer:innen für den Dienst in Niederösterreich zu begeistern und die Jugendarbeit nachhaltig zu stärken, so Malekpour weiter. 

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Auch der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Chalupka, drückte seinen Respekt für die „verantwortungsbewusste Entscheidung“ Müller-Marienburgs aus: Insbesondere sein Einsatz „gegen jegliche Form der Diskriminierung in der Gesellschaft“ bleibe „vorbildhaft“, so der Bischof. Ein Einsatz, der auch auf persönlicher Erfahrung basiert.

Offener Umgang mit seiner Homosexualität

Mit dem Rücktritt von Müller-Marienburg verliert die Kirche ihren ersten offen schwulen Landesbischof. Bei seiner Bewerbung ging der heute 46-Jährige damit auch offen um. „Ich habe zu den Leuten gesagt, sie müssen das nicht toll finden mit dem Schwulsein. Sie müssen mir nur meinen Glauben glauben. Sie müssen mir glauben, dass ich mit Gott unterwegs bin und dass ich auch eine Sehnsucht nach Gott habe und es gut meine mit der Kirche“, erinnerte er sich im ORF-Religionsmagazin Orientierung.

Müller-Marienburg wurde 1977 in Ansbach in Deutschland geboren und studierte Evangelische Theologie in München. Sein Vikariat absolvierte er in Linz, seine Pfarramtskandidatenzeit im burgenländischen Pöttelsdorf. Bevor er zum Superintendenten für Niederösterreich gewählt wurde, war Müller-Marienburg sechs Jahre lang Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck-Auferstehungskirche.

Da die österreichische Staatsbürgerschaft Voraussetzung für das Amt ist, musste der Theologe seine deutsche Staatsangehörigkeit zurücklegen und die österreichische annehmen.

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