Donnerstag, 30. Mai 2024
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Slowakei: Kulturministerin sägt queere Fotoausstellung ab

Schwere Vorwürfe gegen die slowakische Kulturministerin Martina Šimkovičová: Sie soll eine Ausstellung mit Fotos von gleichgeschlechtlichen Paaren untersagt haben.

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In ihrer Ausstellung „Neskrývaná Láska“ (Unversteckte Liebe) zeigt die slowakische Fotografin Dorota Holubová Portraits von queeren Paaren und Familien in ihrer Heimat, erzählt ihre Geschichten und schafft so Öffentlichkeit.

Die Ministerin soll für die Absage der Ausstellung gesorgt haben

Gezeigt werden sollte die Ausstellung im nächsten Jahr im Slowakischen Nationalmuseum auf der Burg der Hauptstadt Bratislava. Doch wie slowakische Medien berichten, soll die neue rechtspopulistische Kulturministerin Martina Šimkovičová dagegen interveniert haben.

Sie fiel schon in der Vergangenheit durch ihre queerfeindlichen Äußerungen auf. Deswegen wurde sie schon öfters von einer nationalen Organisation für Menschenrechte (Institute for Human Rights) als „Homophobin des Jahres“ nominiert.

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Kulturministerin gegen „LGBT+-Propaganda“

„Es ist mir egal, ob mir jemand glaubt, aber hier ist die Wahrheit“, schrieb die Fotografin in den sozialen Medien, „Der Kurator hat mir gesagt, dass die Kulturministerin in einem Termin mit der Direktion einen Schlussstrich unter die ‚LGBT+-Propaganda‘ gezogen hat und dass alle geplanten LGBT+-Ausstellungen abgesagt wurden“, so Holubová.

Das Nationalmuseum hat die Vorwürfe inzwischen dementiert – doch auf den offiziellen Social-Media-Auftritten des slowakischen Kulturministeriums wurde die Meldung über das mutmaßliche Verbot queerer Kunst im Nationalmuseum mit einem Emoji kommentiert, das sich vor Lachen auf dem Boden wälzte.

Kritik von den österreichischen Grünen

Das sorgt auch in Österreich für Irritationen. Es sei „unerträglich, dass das Kulturministerium auf ihren offiziellen Kanälen diese so wichtige queere Fotoausstellung auch noch diffamiert“, empört sich Ewa Ernst-Dziedzic, Sprecherin der Grünen für LGBTIQ und Menschenrechte.

„Die Absage dieser Ausstellung widerspricht dem Grundsatz des Freiheitsraums für die LGBTIQ-Community, den das Europaparlament 2021 ausgerufen hat. Diesen gilt es gegen alle Widerstände rechter und homophober Kräfte zu verteidigen“, pflichtet ihre Parteikollegin, Europaparlamentarierin Monika Vana, bei. Sie fordert, dass der EU-Rechtsstaatsmechanismus ausgelöst wird.

Ein schwacher Trost für Holubová: Während man im Kulturministerium ihre Arbeiten nicht zu mögen scheint, haben vor drei Jahren Präsidentin Zuzana Čaputová und das niederländische Königspaar alle ihre Fotografien gesehen.