Sonntag, 26. Mai 2024
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Methodisten öffnen sich für queere Geistliche und gleichgeschlechtliche Paare

Die methodistische Generalkonferenz hat ihre seit Jahren schwelenden Streitigkeiten über Homosexualität in der Kirche beendet: Künftig dürfen queere Menschen bei den Methodisten als Kleriker zugelassen werden, gleichgeschlechtliche Paare dürfen kirchlich getraut werden.

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Manchmal finden angekündigte Revolutionen nicht statt: Ohne größere Debatte haben 95 Prozent der Delegierten bei der Generalversammlung der United Methodist Church (UMC) das Verbot aufgehoben, LGBTI-Menschen in den Kirchendienst aufzunehmen. Gleichzeitig schützt die Generalversammlung Geistliche nun vor Sanktionen vor regionalen Kirchenführern, wenn sie gleichgeschlechtliche Paare trauen.

Die Beschlüsse können durch die einzelnen Kirchenregionen ausgesetzt werden

Die hohen Zustimmungswerte würden zeigen, dass auch große Teile der afrikanischen Delegationen die Beschlüsse mittrügen, heißt es seitens der Kirche. Das war unter anderem durch ein Konzept der Regionalisierung möglich: Die einzelnen Kirchenregionen dürfen „Teile der Kirchenordnung dem regionalen Kontext sowie den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten“ anpassen.

„Die Leute können jetzt endlich ihrer Berufung folgen, ohne Angst haben zu müssen“, freut sich Karen Oliveto, erste offen lesbische Bischöfin der evangelisch-methodistischen Kirche, am Rande der Generalversammlung im Convention Center von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Gemeinsam mit vielen anderen Delegierten strömte sie nach der Abstimmung spontan in das Plenum.

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Etwa ein Viertel der Gemeinden in den USA haben sich seit 2019 abgespalten

Noch bei der letzten Generalversammlung im Jahr 2019 hatten sich konservative Delegierte durchgesetzt und Lesben und Schwule als Pastoren und ein Verbot der gleichgeschlechtlichen Eheschließung durchgesetzt. Da zu erwarten war, dass sich fortschrittlichere Teile der Kirche nicht daran halten würden, wurde damals ein Austrittsmechanismus vereinbart: US-Gemeinden konnten sich bis Ende 2023 von der UMC abspalten, ohne ihre Gotteshäuser zu verlieren.

Davon machten etwa 7.600 Gemeinden, etwa ein Viertel aller Mitgliedsgemeinden der UMC in den USA, Gebrauch. Vor allem Konservative nutzten die Gelegenheit: So verlor die UMC in Texas etwa mehr als 40 Prozent ihrer Gemeinden. Sie schlossen sich entweder in der „Global Methodist Church“ zusammen oder bleiben unabhängig. Sollten die Gemeinden zur UMC zurückkehren wollen, würden ihnen die Türen dennoch offen stehen.

Der evangelisch-methodistischen Kirche gehören weltweit rund 12 Millionen Christ:innen an. Sie ist aus der Erweckungsbewegung im England des 18. Jahrhunderts hervorgegangen und weltweit tätig. In Österreich ist die seit 1871 tätig und vom Staat als Kirche anerkannt. Sie hat eigenen Angaben zufolge rund 1.500 Mitglieder in neun Gemeinden.