Montag, 27. Mai 2024
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Nach Nemos ESC-Sieg: Schweiz diskutiert über dritten Geschlechtseintrag

Sichtlich übermüdet ist Song-Contest-Gewinner Nemo am Sonntagabend in Zürich angekommen. Der Gewinn hat in Schweiz der Debatte über einen dritten Geschlechtseintrag neuen Auftrieb gegeben.

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Am Samstag hatte Nemo in Malmö mit „The Code“ den Song Contest für die Schweiz gewonnen – keine 24 Stunden später wird er von mehreren hundert Fans am Flughafen Zürich empfangen. Heute hat er keine Termine – und ist froh darüber: „Ich werde in den Garten meines Elternhauses gehen, mich hinlegen und versuchen, etwas herunterzukommen“, so Nemo.

Am Flughafen stürmte Nemo zu nicht-binären Fans

Nemo werde nun einige Tage brauchen, um das Ganze einordnen und Schlaf nachholen zu können. „Plötzlich zu einem Ding zu werden, das über mich hinausgeht, ist absurd“, so das 24 Jahre alte Musikwunder gegen 23.00 Uhr am Flughafen.

Als dann aus einer Ecke „We exist“ gerufen wurde, stürmte Nemo in Richtung der Rufe: Denn auch die nicht-binäre Community empfing den Gewinner mit Transparenten und Flaggen in gelb, weiß, violett und schwarz – den Nichtbinären-Farben. Gemeinsam wurde umarmt, gelacht, geweint und fotografiert.

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Deutliche Unterstützung und Sichtbarkeit für die Community

Nemo ist die erste non-binäre Person, die den ESC gewonnen hat. Bei der Flaggenparade im Finale trug Nemo die nicht-binären Flagge auf der Brust und die Schweizerflagge auf dem Rücken. Die Freude und Unterstützung der Community über Nemos Sieg war am Zürcher Flughafen deutlich zu spüren.

Doch anders als in seiner Wahlheimat Berlin kann sich Nemo in seiner Heimat nicht amtlich als nichtbinär eintragen lassen. Denn in der Schweiz gibt es keinen dritten Geschlechtseintrag. Die Begrüßung des Gewinners wurde so auch zu einer Demonstration für die Rechte nichtbinärer Menschen.

Die Diskussion über einen dritten Geschlechtseintrag nimmt wieder an Fahrt auf

Der Empfang zeige Nemo, „Es zeigte mir, wie schön es ist, Teil einer Community zu sein“: Es sei wichtig, dass Nicht-Binäre eine Stimme hätten und gehört werden. Und mit Nemos Sieg ist diese Stimme jetzt auch in der Schweiz deutlich lauter geworden. Gleich nach seinem Sieg hatte Nemo am Samstag gemeint, er werde als erstes Justizminister Beat Jans anrufen, um die Debatte über den dritten Geschlechtseintrag in Gang zu bringen.

Unter dem Titel „Break the Code“ hat bereits eine Online-Unterschriftenaktion zur Einführung des dritten Geschlechtseintrags begonnen. Sie hat bereits mehr als 4.000 Unterstützungen. Auch eine Nationalrätin der Grünen hat die Regierung mittlerweile aufgefordert zu handeln.

Für die rechtspopulistische SVP ist alles nur ein „Esoterik-Trend“

Und diese Stimmen werden gehört: So hatte der sozialdemokratische Bundesrat Beat Jans bereits am Sonntag ein Gespräch wegen der Einführung eines dritten Geschlechtseintrags in der Schweiz angeboten. Er hatte das neue Gleichstellungsgesetz im Kanton Basel initiiert, in dem ursprünglich Kategorien von „Binarität und Heteronormativität“ abgeschafft werden sollten – was nach Protesten abgeschwächt wurde.

Doch ganz so einfach dürfte das in der Schweiz nicht werden – wie nicht nur Online-Hasskommentare zeigen. Eine Nationalrätin der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) kritisierte die Debatte als „Esoterik-Trend“.