Dienstag, 18. Juni 2024
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Deutlich mehr Angriffe auf queere Menschen in Deutschland

Sexuelle Minderheiten sind in Deutschland 2023 öfter angegriffen worden als im Jahr zuvor. Das geht aus der aktuellen Statistik zu politisch motivierter Kriminalität hervor.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2023 hat die Polizei in Deutschland bei 1499 Straftaten ermittelt, die wegen der sexuellen Orientierung der Opfer verübt wurden. Das sind um knapp 500 Fälle mehr als im Vorjahr. 

500 Anzeigen mehr bei Angriffen auf Lesben, Schwule oder Bisexuelle, Verdopplung bei Angriffen auf trans und inter Menschen

Außerdem wurden 854 Straftaten im Zusammenhang mit geschlechtsbezogener Diversität angezeigt – also Taten, die trans und intersexuelle Menschen betreffen. Das ist im Vergleich zum Jahr zuvor ein Anstieg von 437 Fällen und damit mehr als 100 Prozent.

Viele der angezeigten Straftaten dürften dabei von Rechten verübt worden sein. So wurden 455 der Taten zu sexueller Orientierung und 238 Vorfälle zu geschlechtsbezogener Diversität rechten Tätern zugeordnet, ein Anteil von jeweils etwa 30 Prozent. Auch die Delikte aufgrund einer ausländischen oder religiösen Ideologie sind teils stark gestiegen, liegen in absoluten Zahlen mit 91 Taten zu sexueller Orientierung und 40 Vorfällen zu geschlechtsbezogener Diversität aber weit darunter.

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Von zehn Vorfällen könnte nur einer angezeigt worden sein

Das geht aus der aktuellen Statistik zu politisch motivierter Kriminalität (PMK) hervor, die am Dienstag von der deutschen Innenministerin Nancy Faeser von der SPD und Holger Munch, dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), vorgestellt wurde.

Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher sein, heißt es beim Deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Sie dürfte bis zu 90 Prozent betragen, weil nicht alle Vorfälle angezeigt werden. Das bestätigen auch die Zahlen nicht-staatlicher Gewaltschutzorganisationen. 

LSVD: „Queerfeindlichkeit ist wieder salonfähig geworden“

„Queerfeindlichkeit ist in unserer Gesellschaft wieder salonfähig geworden“, meint Andre Lehmann vom LSVD-Bundesvorstand gegenüber dem Spiegel . Die Skrupel, Hass gegen queere Menschen zu zeigen, seien in den letzten Jahren „deutlich gesunken“.

Insgesamt wurden im letzten Jahr 60.028 politisch motivierte Straftaten in Deutschland gezählt, um zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Über einen Zeitraum von zehn Jahren beträgt der Anstieg allerdings mehr als 80 Prozent. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel ist vor allem die Zahl der antisemitischen Delikte gestiegen, um insgesamt 95,5 Prozent auf 5.164 Fälle.

Einen deutlichen Anstieg um etwa je acht Prozent gab es auch bei links- und rechtsextremer Gewalt. Straftaten gegen Abgeordnete und andere Mandatsträger sind im letzten Jahr in Deutschland ebenfalls überdurchschnittlich angestiegen: Um 53 Prozent auf 2.710 Fälle.