Dienstag, 18. Juni 2024
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Queerfeindliche Gewalt: Warum werden die Täter immer jünger?

Die Zahl der Hassverbrechen gegen queere Menschen steigt auch in Deutschland überdurchschnittlich an. Aber wer sind die Angreifer, und woher kommt der Hass?

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Es sind klare Worte: „Queerfeindlichkeit ist in unserer Gesellschaft wieder salonfähig geworden“, meint Andre Lehmann vom LSVD-Bundesvorstand gegenüber dem Spiegel . Die Skrupel, Hass gegen queere Menschen zu zeigen, seien in den letzten Jahren „deutlich gesunken“.

Immer mehr Straftaten gegen queere Menschen

Das zeigen auch die aktuellen Zahlen, die jüngst in der Statistik zu politisch motivierter Kriminalität (PMK) veröffentlicht wurden. So hat die Polizei in Deutschland im letzten Jahr bei 1499 Straftaten ermittelt, die wegen der sexuellen Orientierung der Opfer verübt wurden. Das sind um knapp 500 Fälle mehr als im Vorjahr. 

Außerdem wurden 854 Straftaten angezeigt, die mit geschlechtsbezogener Diversität zusammenhängen – also Taten, die trans und intersexuelle Menschen betreffen. Das ist im Vergleich zum Jahr zuvor ein Anstieg von 437 Fällen und damit mehr als 100 Prozent.

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Rund ein Drittel der Täter kommt aus dem rechten Umfeld

Aber wer sind die Täter und woher kommt ihr Hass? Rund ein Drittel der gefassten Tatverdächtigen kommen aus dem rechten Umfeld, sagt die Statistik. Und auch Lehmann sieht den Rechtsruck in der Gesellschaft als einen Grund für den Hass auf sexuelle Minderheiten. Besonders im Visier hat das LSVD-Vorstandsmitglied dabei die rechtspopulistische AfD und die Social-Media-Plattform TikTok.

Die AfD sieht Lehmann als „Brandstifter“, die ein problematisches Männlichkeitsbild, „toxische Männlichkeit“, förderte. Zu diesem veralteten Rollenbild gehören unter anderem dominantes Auftreten, Aggressivität, Misogynie – und Queerfeindlichkeit.

Die „toxische Männlichkeit“ der AfD auf TikTok als Brandstifter

Verbreitet wird dieses Rollenbild dann über Medien wie TikTok. Die Plattform wurde „jahrelang den Rechten überlassen“, kritisiert der LSVD-Vorstand im Spiegel, man werde dort auch mit queerfeindlichen Inhalten geradezu überschwemmt.

Dementsprechend seien auch viele der Täter sehr jung, so Lehmann: „Unter 25, würde ich sagen.“ Also genau jene Generation, die durch Soziale Medien geprägt worden ist. Doch die Maßnahmen der Plattformen, etwas gegen den Hass zu unternehmen, sind überschaubar.

TikTok verspricht Besserung, handelt aber nicht

Bereits vor vier Jahren, im Oktober 2020, hat TikTok etwa versprochen, dass queerfeindliche Inhalte von der Plattform entfernt werden würden. „Hierzu gehört auch das Befürworten der ‚Konversionstherapie‘ und die Behauptung, dass niemand ‚LGBTQ+‘ geboren werde“, hieß es damals in einer Pressemitteilung.

Doch auch heute sind queerfeindliche Meldungen auf TikTok noch immer der Renner, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) im Mai recherchiert hat. Neben Rechten nutzen auch islamische Hardliner die App, um ihre Ideologie in die Köpfe der Kinder und Jugendlichen zu bekommen. Im Gegenzug werden LGBTI-freundliche oder aufklärende Inhalte von der Plattform zensiert.