Berlin und Paris: Mehr als eine Million feiern den CSD

Ohne Gewalt gingen am Wochenenden die Gay-Pride-Umzüge in Paris und Berlin über die Bühne.

In Berlin war es ein Jubiläum: Der CSD feierte sein 30. Jubiläum – und zum ersten Mal zog die als Demonstrationszug angemeldete Parade nicht vom Westteil in den Osten, sondern in die umgekehrte Richtung. Etwa 500.000 Schwule und Lesben liefen von der Humboldt-Universität am Boulevard Unter den Linden über den Potsdamer Platz und die Potsdamer Straße zur Siegessäule. Viele Teilnehmer trugen bunte und aufwendige oder knappe Kostüme.

Allerdings hatte die Parade wieder einen ernsten Hintergrund: Mit dem Motto „Hass du was dagegen?“ wollten die Veranstalter auf die fast tägliche Gewalt gegen Homosexuelle aufmerksam machen.

Einer der berühmtesten Schwulen Berlins fehlte aber: Zum ersten Mal in seiner Amtszeit war Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nicht zur Parade gekommen. Ob aus persönlichen oder terminlichen Gründen ist nicht bekannt.

Am Vormittag bereits hatten Politiker sowie Lesben- und Schwulenverbände an einer Gedenkfeier am neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin teilgenommen. Unter den Teilnehmern war auch Rudolf Brazda (95), der wegen seiner sexuellen Neigung im Konzentrationslager Buchenwald von1941 bis 1945 eingesperrt war.

Noch größer war die Parade in Paris: Die Veranstalter sprachen von 600 000 Teilnehmern. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Für eine Schule ohne jede Diskriminierung“ und war dem Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit bei Jugendlichen gewidmet. Zu den prominentesten Teilnehmern gehörten der offen schwule Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë und der frühere Kulturminister Jack Lang, die beide der Sozialistischen Partei angehören.