„Offener Bücherschrank“ im Heinz-Heger-Park: Scheibe eingetreten

Auch in Wien ist ein Stück schwulen Gedenkens am Wochenende beschädigt worden: Der „offene Bücherschrank“ am Zimmermannplatz im 9. Bezirk wurde Opfer eines Vandalenaktes.

In der Nacht auf Sonntag wurde eine der Türen beim Bücherschrank im Heinz-Heger-Park eingetreten und zerbrochen. Auch bei den anderen „offenen Bücherschränken“ in Ottakring und Neubau gab es massive Beschädigungen. Initiator Frank Gassner geht deshalb davon aus, „dass es sich nicht um eine ‚ang’soffene G’schicht‘, sondern um planvolles Vorgehen gehandelt hat“, so auf der Facebook-Seite des „offenen Bücherschranks“. Der Schaden beträgt mehrere tausend Euro und soll im Laufe der Woche behoben werden. Eine Spur zu den Tätern gibt es noch nicht.

Der „offene Bücherschrank“ steht direkt vor der Praxis des bekannten schwulen Allgemeinmediziners Horst Schalk. Heinz Heger, Namensgeber des Parks am Zimmermannplatz und ehemaliger Bewohner des Hauses, in dem nun die Praxis ist, wurde wegen seiner Homosexualität von den Nationalsozialisten verfolgt. Er schrieb seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Die Männer mit dem rosa Winkel“ nieder. Der „offene Bücherschrank“ aus Beton ist – als Erinnerung daran – deshalb auch mit rosa Winkeln verziert. Die Praxis Dr. Schalk stellt jeden Tag ein Exemplar von Hegers Buch zur freien Entnahme in den Bücherschrank.

Passanten können in den „offenen Bücherschränken“ ihre alten Bücher ablegen oder sich neue Bücher holen. Mittlerweile gibt es in Wien drei „offene Bücherschränke“, außer dem am Zimmermannplatz noch einen in Neubau und einen weiteren in Ottakring. Ähnliche Initiativen gibt es auch in Berlin oder Graz.

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