„Zu spät“: Homo-Mahnmal auf Morzinplatz

Während in Wien die Suche nach einem ständigen Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus weiter stockt, wurde nun ein neues temporäres Mahnmal präsentiert. Bis Oktober 2012 erinnert am Morzinplatz die Installation „ZU SPÄT“ der Künstlerin Carola Dertnig und der Landschaftsgestalterin Julia Rode an die Gräueltaten der Nazis.

Harte, karge Gewächse, mit Metallbändern eingefasst, formen dabei die Buchstaben „ZU SPÄT“. Mit dem 20 Meter langen Schriftzug wollen die Künstlerinnen daran erinnern, dass sexuellen Minderheiten als Opfern des Dritten Reiches „zu spät“ gedacht wurde. Als Orientierungshilfe haben die beiden einen hölzernen Steg vor ihren Schriftzug gebaut, der auf einen halben Meter ansteigt und eine bessere Sicht auf die Buchstaben ermöglicht. Unterstützt wurde das Projekt von der Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR).

Im Hotel Metropol am Morzinplatz befand sich die Wiener Zentrale der Gestapo. Dort wurden tausende Österreicher, unter ihnen auch viele schwule Männer, verschleppt, inhaftiert, gefoltert und deportiert. „Das ehemalige Hotel Metropol war die größte Gestapo-Leitstelle im Dritten Reich. 80 Prozent der Gestapo-Beamten und Angestellten wurden aus dem österreichischen Polizeidienst rekrutiert“, erinnert SP-Gemeinderat Peko Baxant an die historische Verantwortung, der diesem Ort innewohnt.

Als Ort für ein ständiges Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus steht der Morzinplatz aber in Frage: „Die Frage des Standortes ist noch nicht endgültig geklärt“, so Peter Traschkowitsch, Obmann der sozialdemokratischen Homosexuelleninitative SoHo. Der Entwurf des Künstlers Hans Kuppelwieser, der ein rosa Wasserbecken am Morzinplatz aufstellen wollte, gewann zwar einen Wettbewerb. Aus dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hieß es dann aber, dass keine alltagstaugliche Farbe gefunden werden könnte – der Entwurf wurde dann nicht ausgeführt.