Spanisches Dorf möchte schwul werden

Wenn es darum geht, Geld in die klamme Stadtkasse zu bekommen, sind Gemeinden oft sehr kreativ. In der spanischen Region Andalusien möchte ein Bürgermeister deshalb sein kleines Dorf zum Schwulen- und Lesbenmekka machen.

Moclinejo in der Nähe von Málaga hat gut 1.200 Einwohner – und die spüren die Krise deutlich: Mehr als 100 von ihnen sind arbeitslos, Bauprojekte stocken. Doch mit Hilfe der schwullesbischen Community soll nun alles besser werden: Moclinejo soll zum „ersten Gay-Dorf der Welt“ werden, so Bürgermeister Antonio Muñoz von der konservativen Volkspartei.

Hinter der Idee steht, so berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, Javier Checa, ein Unternehmer, der auch in der spanischen Community nicht unumstritten sein soll. Er träumt schon von einem „wahrhaft schwulen Dorf“, in dem Lesben und Schwule „wirklich Freiheit“ atmen könnten.

Gut 600 Wohnungen sollen für die neuen homosexuellen Bewohner von Moclinejo gebaut werden und – passenderweise – rosa angestrichen werden. In einem eigenen Cruising-Park sollen sich schwule Männer auf der Suche ungestört ihrem Geschlechtstrieb hingeben können, Straßen und Plätze sollen nach schwullesbischen Aktivisten unbenannt werden. Auch das geistliche Leben in Moclinejo soll schwuler werden, wenn es nach Checa geht: Die örtliche Kapelle solle „dem Schutzpatron der Schwulen gewidmet werden, dem Heiligen Sebastian“, so der Unternehmer.

Was der Pfarrer des kleinen Ortes zu diesem Plan sagt, ist nicht bekannt – unter Lesben und Schwulen ist das Vorhaben umstritten. Salvador Rubio, Sprecher des Schwulen-, Lesben-, Bi- und Transsexuellen-Verbandes „Colega“ vermutet, dass es bei den hochtrabenden Plänen um etwas anderes geht: Immobilienspekulation. Denn mit der Wirtschaftskrise ist die Bauwirtschaft praktisch zum Erliegen gekommen, Rohbauten stehen leer und Wohnungen sind in Spanien derzeit weit unter Wert zu bekommen. „Freiheit entsteht nicht dadurch, dass man Ghettos schafft“, so Rubio. Damit sieht er sich in seltener Eintracht mit der Partei des Bürgermeisters. Die konservative Volkspartei, traditionell ein Gegner der Lesben- und Schwulenrechte, lässt ausrichten, dass sich „die Attraktivität einer Ortschaft nicht an der sexuellen Orientierung ihrer Bewohner“ messen lasse.

Bürgermeister Muñoz sieht das anders: Er freut sich schon darauf, wenn Lesben und Schwule Geld in die klamme Gemeindekasse einzahlen – immerhin betragen die Schulden von Moclinejo fast 37 Prozent des Haushalts, und ein paar zusätzliche Arbeitsplätze im Tourismus würden der Gemeinde auch ganz gut tun.

Dem entsprechend ist auch die Meinung der Bevölkerung durchwegs positiv. Allerdings geben einige Einwohner Moclinejos zu bedenken, dass sich rosarote Häuser mit den traditionell weißen Häusern der Region beißen würden…