Belgrade Pride erneut aus ‚Sicherheitsgründen‘ untersagt?

Aus „Sicherheitsgründen“ wollen serbische Behörden die für 6. Oktober geplante „Belgrade Pride“ verbieten. Nun macht das Europaparlament Druck auf den EU-Beitrittskandidat und fahren selbst nach Belgrad.

Die Lesben- und Schwulenparade werde nicht stattfinden, weil die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantiert werden könne, erklärte der rechtspopulistischen Politiker Dragan Marković im serbischen Fernsehen. Er ist Chef der Partei „Einiges Serbien“, die Teil der Regierungskoalition des Sozialisten Ivica Dačić ist.

Und auch sonst sparte Marković, der im Vorjahr Homosexuelle als ‚krank‘ bezeichnet hat, nicht mit Spott: Zu den Plänen, die Parade von einem einwöchigen schwul-lesbischen Kulturfestival zu begleiten, sagte er: „Ich frage mich, was die Organisatoren die ganze Woche über machen wollen.“

„Belgrade Pride“ bereits im Vorjahr verboten

Bereits im letzten Jahr hat Dačić, damals Innenminister, die Parade aus Sicherheitsgründen verboten. Ein Jahr zuvor wurde die Demonstration von Nationalisten mit Brandbomben und Steinen angegriffen, es gab dutzende Verletzte.

Doch dieses Jahr hätte damit Schluß sein sollen: Nur wenige Tage vor dem Interview von Marković hatte der slowenische Europaparlamentarier Jelko Kacin von den Liberalen, Berichterstatter für Serbien, erklärt, dass er sich heuer eine problemlose Durchführung der „Belgrade Pride“ erwarte: „Serbien hat ein bemerkenswertes Niveau beim Schutz der Minderheitenrechte erreicht, aber LGBT gehören noch immer zu den verwundbaren Gruppen. Im letzten Jahr haben die serbischen Behörden die Veranstaltung mit der Begründung verboten, dass das Sicherheitsrisiko zu hoch sei. Heuer hat die serbische Regierung die Möglichkeit, diesen Fehler wieder gutzumachen.“

EU-Parlamentarier erhöhen Druck auf Beitrittskandidat Serbien

Nun hat die LGBT-Intergroup im Europäischen Parlament bekanntgegeben, dass drei ihrer Mitglieder nach Belgrad reisen werden, um die Belgrade Pride am 6. Oktober anzuführen. Außer Kacin wollen sich auch die Grünen Marije Cornelissen aus den Niederlanden und Keith Taylor aus Großbritannien mit den Organisatoren und Vertretern der EU-Delegation in Serbien treffen. Taylor will dem Bürgermeister von Belgrad dabei auch eine Grußbotschaft des Bürgermeisters von Brighton übermitteln – jener Stadt im Südosten Englands, die für ihre Lesben- und Schwulenparade bekannt ist.