Tod nach Polizeieinsatz in Barcelona: Videos aufgetaucht

Der Tod eines schwulen Geschäftsmannes in Barcelona nach einem Polizeieinsatz zieht immer weitere Kreise. Innenminister Ramon Espadaler kündigte eine interne Untersuchung der Vorgänge an. Die Tageszeitung „El País“ veröffentlichte unterdessen zwei Videos von dem Einsatz. Sie zeigen, dass der Mann noch von Beamten geschlagen wurde, nachdem er am Boden lag.

„Madonna, vier gegen einen“

Juan Andres Benitez, der im Schwulenviertel „Gayxample“ zwei Modegeschäfte betrieb, starb nach einem Einsatz durch die katalanische Polizei, die „Mossos“, in den frühen Morgenstunden des 6. Oktober. Zuvor hatte er seine Nachbarn bedroht. Die Videos zeigen, wie mindestens vier Polizisten auf Benitez gekniet haben. Er schreit vor Schmerzen, man kann seine Arme und Beine kaum sehen. „Madonna, vier gegen einen“, sagte der Italiener, der das Video aufnahm. Als er einen Passanten fragt, was Benitez gemacht haben soll, sagt ihm der, er sei vor der Polizei weggelaufen und wäre nicht stehengeblieben.

Nach 40 Sekunden kommt ein Rettungswagen, danach einige Beamte zu Fuß. Einer von ihnen trat zwei Mal auf Benitez ein. Kurz danach wurde er – so das Video – von insgesamt fünf Beamten verprügelt. Der Unternehmer liegt am Boden und schreit von Schmerzen – „wie ein Schwein“, sagt eine Passantin auf dem Video entsetzt. Am Ende des Videos sind fünf Beamte auf Benitez, Nachbarn bitten sie, den Mann in Ruhe zu lassen.

Wie kam es zu den Schädelverletzungen?

Die Autopsie ergab, dass Benitez an einer Herzinsuffizienz starb, die durch die Schläge auf den Schädel offenbar begünstigt wurde. Unklar ist aber noch, wie er die letztendlich tödlichen Schläge bekommen hat: Die Polizei sagt, er habe sie sich während der Verhaftung selbst zugefügt, die Videos legen aber den Schluss nahe, dass die Mossos auf ihn eingeprügelt haben. Diese Version haben zuvor bereits zwei Zeugen zu Protokoll gegeben.

Nun möchte der Untersuchungsrichter offenbar genau wissen, was jeder der acht Beamten, die bei dem Einsatz anwesend waren, gemacht hat – und welche „direkt in das Festhalten der Person, die später gestorben ist“ involviert waren.

Der Präsident der katalanischen Regierung, Artur Mas, verteidigte unterdessen die Beamten indirekt. Die Videos zeigten nur einen Ausschnitt und man müsse das ganze Bild sehen, sagte er in einer Stellungnahme. Die Opposition fordert unterdessen den Rücktritt des Leiters der Mossos.

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