Bischof von Chur hetzt gegen Lesben und Schwule

Warnt vor 'Homosexualisierung' von Kindern im Kindergarten

Vitus Huonder
Bistum Chur

Mit seinen Aussagen zu Homosexualität provoziert der Bischof von Chur, Vitus Huonder. In einem Hirtenbrief stellt sich der als sehr konservativ geltende 71-Jährige gegen das „vermeintliche Recht gleichgeschlechtlicher Paare, zu heiraten und Kinder zu adoptieren“.

„Genderismus“ gegen Gottes Schöpfung

Mit seiner Streitschrift möchte Huonder den „Genderismus“ widerlegen, der „jede sexuelle Praxis (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell) als gleichwertig mit der Heterosexualität“ sieht, echauffiert sich der Geistliche.

Genderismus sei laut Huonder „wissenschaftlich unhaltbar“: Die „grundsätzliche Verschiedenheit von Mann und Frau“ sei gottgegeben und in der Schöpfungsordnung verankert.

Sexuelle Minderheiten haben für Huonder nur „vermeintliche Rechte“

Diese Ideologie komme nicht nur in der Gewährung von „vermeintlichen Rechten“ für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender zum Tragen. Huonder zufolge sind auch unsere Jüngsten in Gefahr. Schließlich werde schon in Kindergarten und Schule die „(Homo-)Sexualisierung der Kinder“ betrieben, warnt der Bischof. Und eine „unmoralische sexuelle Aufklärung“ würde „in den Heranwachsenden jedes Feingefühl“ zerstören.

„Die Auslieferung von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare beraubt sie der Grundlage einer gesunden psychischen Entwicklung“, ist sich der Churer Bischof sicher. Kinder müssen sich in der stabilen Ehe der biologischen Eltern entfalten können, so der Geistliche.

Kinder in Regenbogenfamilien sind für den Bischof dem Untergang geweiht

Dass auch schwule oder lesbische Paare Kinder bekommen können, ist für Huonder offenbar eine Katastrophe: „Dem Menschen wird auf diese Weise die moralische Orien­tierung für den rechten Gebrauch seiner Freiheit genommen, der ihn zur Elternschaft befähigt, zur Aufgabe einer Mutter oder eines Vaters“, schreibt er in dem Hirtenbrief. Adoptionen durch schwule oder lesbische Paare nennt er sogar „Auslieferung von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare“.

Besonders zynisch ist aber der Grund, weshalb Huonder den Hirtenbrief geschrieben hat: Den internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember. In der Schweiz sorgt der Hirtenbrief aus Chur für Kopfschütteln. „Huonder nutzt den UNO-Menschenrechtstag um Menschen zu stigmatisieren. Und das, obwohl die Forschung, die seit rund 30 Jahren betrieben wird, das Gegenteil aufzeigt. Sexuelle Orientierung ist keine Wahl. Vor allem Trans-Menschen werden stigmatisiert. Wir empfinden es als direkten Angriff auf die Menschenrechte“, ärgert sich Maria von Känel, Geschäftsführerin des Schweizer Dachverbandes „Regenbogenfamilien“. Und auch Stella Jegher von Amnesty International kann nur den Kopf schütteln: „Ausgerechnet zum internationalen Tag der Menschenrechte ruft der Bischof von Chur seine Gläubigen dazu auf, Schwule und Lesben zu diskriminieren.“

Im Bistum Chur will man das nicht so sehen. Im Gegenteil – man fühlt sich selbst diskriminiert: „Wer mit den Forderungen der Homosexuellenlobby einverstanden ist, gilt als gut. Wer sich anders äussert, ist homophob und böse“, so Bischofs-Sprecher Guiseppe Gracia zur Schweizer Zeitung „Blick“. Das sei „zutiefst antliberal“ und „gegen die Meinungs- und Glaubensfreiheit“.