Berlusconi plötzlich für Homo-Rechte

Machmal ist es unglaublich, was die Liebe schafft: Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat öffentlich seine Unterstützung für die Rechte von Lesben und Schwulen erklärt. Der Grund dafür durfte sein, dass seine 49 Jahre jüngere Freundin der italienischen Lesben- und Schwulenorganisation Arcigay beigetreten ist.

„Bürgerrechte für Homosexuelle sind ein Kampf, für den sich in einem wahrhaft modernen und demokratischen Land jeder verantwortlich fühlen sollte“, zitiert die linksliberale Tageszeitung „La Repubblica“ am Sonntag den 77-jährigen Berlusconi. Als Liberaler glaube er, „dass wir mit einer umfassenden Debatte etwas zugunsten der Gerechtigkeit und der Zivilisation erreichen können.“

Diese Aussagen verwundern – war der ehemalige italienische Ministerpräsident bis jetzt weder als Freund von Homo-Rechten noch als Liberaler aufgefallen. Grund für die Aussagen dürfte eher der Beitritt von Francesca Pascale zu Arcigay sein, der größten Lesben- und Schwulengruppe Italiens. Wie ebenfalls am Sonntag bekannt wurde, ist die 28-jährige Freundin von Silvio Berlusconi der Organisation beigetreten.

Denn in der Vergangenheit hat Berlusconi Lesben- und Schwulenrechte konsequent behindert. So ist Italien bis heute das einzige Gründungsmitglied der EU, in dem es keine Eingetragene Partnerschaft für schwule und lesbischen Paare gibt. Auch seine Aussagen waren nicht immer freundlich gegenüber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen. Homo-Paare würden „nie auf einer Stufe mit traditionellen Familien“ stehen, polterte er im März 2011. Und ein Jahr zuvor witzelte er noch, es sei „besser, leidenschaftlich über schöne Mädchen zu sein, als schwul“.

Neben Pascale wurde auch Vittorio Feltri, Direktor der Berlusconi-Zeitung „Il Giornale“, Mitglied von Arcigay. In einem Kommentar schrieb er: „Wir sind für Freiheit ohne Diskriminierung und davon überzeugt, dass wir Vorurteile beseitigen müssen.“ Arcigay begrüßte in einer ersten Stellungnahme seine neuen Mitglieder, erklärte aber, dass von beiden „Engagement“ für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Italien erwartet werde.

Berlusconis Partei „Forza Italia“ wurde vom Meinungswechsel ihres Gründers offenbar überrascht. Senator Maurizio Gasparri erklärte: „Wir müssen die Rechte aller respektieren und Diskriminierung verhindern. Aber ich bleibe dabei, dass die Homo-Ehe und Adoptionen durch Homo-Paare keine gute Sache sind. Ich lehne das daher ab. Das war gestern so und hat sich heute nicht verändert.“