Öffentliches Outing von CSU-Politiker Fabritius sorgt in der Szene für Diskussionen

Um das öffentliche Outing des CSU-Bundestagsabgeordneten Bernd Fabritius im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ist innerhalb der Community eine heftige Debatte ausgebrochen.

„Spiegel“ versprach sachliches Interview

Fabritius selbst kritisiert den „Spiegel“, weil mit diesem ein Bericht zu seiner inhaltlichen Arbeit abgesprochen gewesen sei. „Ein sachliches Interview und ein Bericht zu der inhaltlichen Arbeit im Bund der Vertriebenen (BdV), zu Integrationsthemen und zur europäischen Ausrichtung“, erinnert sich Fabritius. Stattdessen erschien ein Artikel mit dem Titel „Privates als Waffe“ über einen Versuch, den Politiker mit gefälschten Verlobungs-Einladungen zu diskreditieren.

So haben unter anderem der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer oder der rumänische Außenminister Einladungen zu einer Verlobungsfeier von Fabritius mit seinem Partner bekommen. Allerdings sind die beiden Männer schon längst eine Lebenspartnerschaft eingegangen, und das war auch kein Geheimnis – offenbar wollten Konservative mit der Aktion der Aufstieg des CSU-Abgeordneten an die Spitze des „Bundes der Vertriebenen“ verhindern. Im November soll er zum Nachfolger der Hardlinerin Erika Steinbach gewählt werden. Zuvor hat Fabritius den „Spiegel“ noch ausdrücklich darum gebeten, seine sexuelle Orientierung nicht zu thematisieren.

„Männer“ verteidigt Fabritius

Unterstützung bekommt Bernd Fabritius vom Magazin „Männer“, das im Bruno Gmünder Verlag erscheint. Es kritisiert den Umgang des „Spiegel“ mit der sexuellen Orientierung des Politikers. Es sei falsch, diese ohne dessen ausdrückliche Zustimmung zu veröffentlichen. „Fabritius ist kein Geheimniskrämer, trägt aber [seine sexuelle Orientierung] nicht zur Schau“, so „Männer“.

Vor zwei Wochen sagte Fabritius dem „Männer“-Redakteur Christian Mentz: „Dass ich schwul bin, ist sowohl im Vertriebenenverband als auch in CDU/CSU kein Geheimnis. Ich möchte aber jetzt kein großes Coming-Out in der Presse. Nicht weil ich mich verstecke, denn das tue ich nicht. Sondern weil ich nicht will, dass mein Privatleben in meine aktuelle politische Arbeit hineingetragen wird, es würde dort die Inhalte überlagern, für die ich mich einsetze.“ Man einigte sich, später auf ein ausführliches Interview über seine Arbeit als Bundestags-Berichterstatter für Nichtdiskriminierung zu führen.

„Absprache mit dem rechten Rand“

Und daran hielt sich das Magazin – das sorgt wieder dafür, dass „Männer“ in der Kritik landet: Auf der Facebook-Seite des Magazins heißt es, die Blattmacher würden „Absprachen mit dem rechten Rand“ treffen.

Für das größte deutschsprachige LGBT-Portal im Internet, „queer.de“, ist das Thematisieren von Fabritius’ sexueller Orientierung durch den „Spiegel“ allerdings legitim – im Gegensatz zu den Absprachen des Mitbewerbers. „Ist das Verschweigen der sexuellen Orientierung eines Politikers für ein schwules Magazin angemessen, vor allem, wenn die Person alles andere als heimlich schwul agiert und zugleich aus einer Partei und einem Verband stammt, in denen Homophobie weit verbreitet sind, wozu er überwiegend schweigt?“, heißt es dort.

Die Debatte zu diesem Thema hat wohl gerade erst begonnen.