Ehemaliger ‚Ex-Gay‘-Anführer heiratet – einen Mann

John Smid hat früher die „Ex-Gay“-Gruppe „Love in Action“ angeführt. Nun hat er zum dritten Mal geheiratet: Einen Mann.

Vor sechs Jahren ist Smid als Chef von „Love in Action“ zurückgetreten. Drei Jahre später hat er zugegeben, dass es nicht möglich sei, Menschen von ihrer sexuellen Orientierung zu „heilen“ – und sich gleichzeitig als schwul geoutet. Er sagte dabei, dass er in den 1980ern vor seiner Konvertierung zum gläubigen Christen, nach dem Scheitern seiner ersten Ehe, bereits als offen schwuler Mann gelebt hatte.

Am Wochenende hat er in Oklahoma seinen Partner Larry McQueen geheiratet – 35 Minuten Fahrt von seiner Heimatstadt Paris in Texas entfernt, wo die Ehe noch nicht für schwule Paare geöffnet ist. Im Jahr 2011 hat er sich von seiner zweiten Frau scheiden lassen und ist nach Texas gezogen, um mit McQueen zusammenzuleben.

Für die „Ex-Gay“-Bewegung ist das Leben von John Smid ein herber Rückschlag. Denn er war lange ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man Homosexualität „heilen“ könne. Er heiratete eine Frau und war elf Jahre im Vorstand von „Exodus International“, der führenden Gruppe dieser Bewegung. Sie schloss im Juni 2013 ihre Pforten, nachdem ihr Präsident Alan Chambes sich für den Schaden entschuldigt hatte, den sie verursacht hatte.

Und auch Smids Gruppe „Love in Action“ kam in die Schlagzeilen, als ein 16-Jähriger, der im Jahr 2006 von seinen homophoben Eltern zu einer „Therapie“ gezwungen wurde, auf MySpace über seine Behandlung bloggte. Das führte zu einem öffentlichen Aufschrei, und auch andere Menschen sprachen darüber, wie Smid sie von ihrer Homosexualität „heilen“ wollte.

Mittlerweile dürfte sich seine Einstellung gewandelt haben. In der Vergangenheit hat er sich mehrmals dafür entschuldigt, einer der Anführer der „Ex-Gay“-Bewegung gewesen zu sein. Bei denen, die an den „Love in Action“-Programmen leiden musste, wollte er den Schaden, soweit möglich, selbst beseitigen helfen. Mittlerweile setzt er sich auch für ein Verbot von „Konversionstherapien“ ein, die Lesben und Schwule „heilen“ sollen.

Auf Facebook schrieb er über seine Ehe mit McQueen: „Ich habe diese Woche verstanden, dass meine Beziehung mit Larry ein Spiegel ist, in den ich jeden Tag sehe. Einen Großteil meines Lebens habe ich in diesem Spiegel meine Fehler und Verfehlungen gesehen. Das Spiegelbild, das ich heute mit Larry sehe, zeigt mir die positiven Dinge in meinem Leben, meine Stärken, Gaben und Talente. (…) Zu diesem Zeitpunkt erkennt die Bundesregierung unsere Zivilehe an, unser Heimatstaat Texas tut das nicht. Wie auch immer – wir hoffen, dass Texas bald unsere Ehe als rechtmäßig und legal anerkennt.“