Liebesurlaub in Wien: ‚Front National‘-Vizechef als schwul geoutet

Boulevardmagazin wird für den Bericht über das Privatleben von Florian Philippot scharf kritisiert

Florian Philippot
Gauthier Bouchet/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Der stellvertretende Vorsitzende der rechtsextremen französischen Partei „Front National“ ist schwul. Was in seiner Partei ein offenes Geheimnis war, hat ein Boulevardmagazin nun öffentlich gemacht.

Mit seinem Freund turtelte Florian Philippot durch die Wiener Innenstadt

Es war ein Liebesurlaub, den der 33-jährige Florian Philippot in Wien verbracht hat. Mit seinem Freund turtelte er durch die Innenstadt – so wie es viele schwule und lesbische Paare in der Donaumetropole machen. Auch ein Saunabesuch wird in dem Artikel erwähnt.

Warum es die Fotos trotzdem in die aktuelle Ausgabe des Magazins „Closer“ geschafft haben, hat einen besonderen Grund: Florian Philippot ist der stellvertretende Vorsitzende des „Front National“ – jener Partei, die in Frankreich ganz massiv gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule gekämpft hat und ihnen bei einem Wahlsieg dieses Recht auch wieder entziehen möchte.

„Ja zur Liebe für Alle“, titelt das Klatschblatt süffisant

„Ja zur Liebe für Alle“, betitelt das Klatschblatt seine vierseitige Exklusiv-Geschichte – eine Anspielung auf die „Demos für Alle“, unter der die Anti-Homo-Demos in Frankreich liefen. Er selbst hat an diesen Demonstrationen nie teilgenommen. Einen Grund dafür gab er nicht an. Geschwiegen hat er bis jetzt auch über sein Privatleben oder seine sexuelle Orientierung – mit dem Hinweis auf seine Privatsphäre.

Deshalb wird das Zwangs-Outing von Florian Philippot auch quer durch alle politischen Parteien verurteilt – nicht nur von seiner Partei-Chefin Marine Le Pen. „Das ist ein sehr ernste Verletzung seiner Bürgerrechte. Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel. Ich würde das genauso sagen, wenn es François Hollande betreffen würde“, sagte sie dem Radiosender „Europe 1“.

Unfreiwilliges Outing von Philippot wird auch von anderen Parteien verurteilt

David-Xavier Weiss, ehemaliger Generalsekretär der konservativen UMP, twitterte, er hoffe, „dass andere Journalisten das Vorgehen des ‚Closer‘ verurteilen werden.“ Auch die sozialistische Gesundheitsministerin Marisol Touraine sagte gegenüber „France Info“, die Verbreitung von Informationen über das Privatleben öffentlicher Personen gegen deren Willen sei „ziemlich verachtenswert“.

Online musste „Closer“ mittlerweile den Artikel und die Ankündigung auf der Titelseite unkenntlich machen – doch die Nachricht hat sich in ganz Frankreich wie ein Lauffeuer verbreitet.

Im Front National war es ein offenes Geheimnis, dass Philippot schwul ist

Innerhalb des „Front National“ ist die Homosexualität von Florian Philippot bekannt gewesen: Wie das schwul-lesbische Magazin „Yagg“ berichtet, führte sie manchmal auch zu Sticheleien von Parteifreunden. Allerdings ist der Politiker innerhalb der Partei unumstritten. Er gilt als enger Vertrauter von Parteichefin Marine Le Pen und ist innerhalb der Partei für Strategie und Kommunikation zuständig.

Wer Philippots Freund ist, das ist auf den Fotos übrigens nicht zu sehen. Sein Gesicht wurde unkenntlich gemacht. „Closer“ behauptet, es handle sich um einen Journalisten, der für die Rechte von Lesben und Schwulen kämpft.