Bruno Gmünder Verlag feuert David Berger

Der streitbare Journalist und Theologe David Berger ist ab sofort nicht mehr Chefredakteur des im Bruno Gmünder Verlag erscheinenden Monatsmagazins „Männer“. Das gab der Verlag heute vormittag bekannt.

„Die Bruno Gmünder GmbH hat David Berger mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Chefredakteur des von ihr herausgegeben Magazins ‚Männer‘ entbunden und ihn von seiner Tätigkeit freigestellt“, heißt es dort. Das Magazin wird ab sofort vom stellvertretenden Chefredakteur Kriss Rudolph geleitet.

Grund dafür ist eine Kolumne, die Bergers Schützling Daniel Krause im „Männer“-Channel des Online-Magazin „Huffington Post“ veröffentlicht hat. In „Der Islamismus und die queere Szene“ verteidigt Krause seinen Chef. Dieser würde sich in der aktuellen Debatte über Islamismus und Homosexualität „dem verordneten Meinungsdiktat widersetzen und missliebige Kritik artikulieren“ – während „zahlreiche Meinungsführer systematische und sorgfältige Problemanalysen kaum anstreben und Energie stattdessen vorrangig im Kampf um ‚politisch korrekte‘ Taubsten fließen lassen“ und damit als „nützlicher Idiot“ von den „teils sexistischen, homophoben und insgesamt verfassungsbedenklichen muslimischen Strömungen“ einspannen lassen würden.

Mittlerweile wurde der Beitrag von der Webseite entfernt, und auch der Bruno Gmünder Verlag distanziert sich von dem Artikel. Dessen publizistische Grundhaltung widerspreche „unseren journalistischen Ansprüchen und Werten fundamental“, heißt es. Man sei bei Bruno Gmünder „um Aufklärung bemüht, wie es im Rahmen der Kooperation mit der ‚Huffington Post‘ zu einer solchen Veröffentlichung kommen konnte“.

Gestern legte Krause im Westdeutschen Rundfunk (WDR) noch einmal nach – und erklärte, dass ihm Massentierhaltung näher ginge als der Massenmord der Nazis in Auschwitz. In der Call-In-Radiosendung „Tagesgespräch“ auf WDR 5 erklärte der Lehrer, die Schüler würde das Thema nicht mehr interessieren. „Ich beschäftige mich lieber mit dem IS-Terrorismus, mit dem Islamismus. Mir geht sogar die Massentierhaltung emotional näher als Auschwitz. Alle 20 Minuten sterben sechs Millionen Tiere, das geht mir emotional viel näher“, so Krause wörtlich. Daraufhin wurde der Lehrer für Politik, Deutsch und Pädagogik vom Schuldienst suspendiert. Nach ähnlichen Zwischenfällen in der letzten Zeit war er bereits von der Jugend- in die Erwachsenenbildung versetzt worden.

Einer der stärksten Verteidiger von Krause war David Berger. Das dürfte dem Chefredakteur jetzt den Kopf im Bruno Gmünder Verlag gekostet haben. Denn einfach war das Verhältnis Bergers zur Community nicht – auch wenn der Verlag ihm demonstrativ die Stange hält. „Die Bruno Gmünder GmbH dankt David Berger für die geleistete Arbeit, seine Loyalität zum Unternehmen und wünscht ihm für seine weitere Zukunft alles Gute“, heißt es in der Aussendung zu seiner Freistellung.

Diese ist der Schlussstrich unter eine sehr ambivalente Zeit, in der Berger als Chefredakteur der „Männer“ für viele Schlagzeilen sorgte. So warf ihm unter anderem die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) vor, er würde mit seinen „teils rechtspopulistischen Aussagen“ provozieren und stoppte ihre Anzeigen in dem Bruno-Gmünder-Magazin.

Das lässt der Verlag auch heute nicht gelten: „Die Presse- und Meinungsfreiheit ist für uns – wie für jedes Presseorgan in einer freien Gesellschaft – ein überragend hohes Gut, das wir gegen jegliche Form der Einschränkung verteidigen müssen. (…) Wenn ein Anzeigenkunde Anzeigen nicht schaltet, ist dies ebenfalls kein Angriff auf die Pressefreiheit, sondern seine freie wirtschaftliche und/oder politische Entscheidung“

Auf der Haben-Seite von Berger steht der gelungene Versuch, dem letzten verbliebenen Kauf-Magazin für schwule Männer wieder Relevanz zu geben. Das erste Interview des schwulen Ex-Fußballers Thomas Hitzlsperger in einem Szenemagazin ist hier nur ein Beispiel – die „Männer“ setzte verstärkt Themen.

Berger selbst scheint sich den Kern der Debatte um seine Person nicht wirklich zu Herzen genommen zu haben. „Wenn ein durch die Leser finanziertes Homo-Magazin aus Angst vor dem Islamismus und einem großen Werbekunden in die Knie geht, ist das eine dunkle Stunde für den Journalismus insgesamt“, schreibt er nach der Entlassung auf seiner privaten Facebook-Seite.