Sonntag, 3. März 2024
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‚Occupy Pedophilia‘: Haftstrafen für sechs Täter in Russland

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In Russland wurden neun Mitglieder einer „Occupy Pedophilia“-Gruppe verurteilt. Ein Gericht in der 175.000-Einwohnerstadt Kamensk-Uralski hat am Montag sechs Männer zu Haftstrafen zwischen drei und sechs Jahren verurteilt, drei weitere Männer bekamen Bewährungsstrafen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die „Occupy Pedophilia“-Bewegung war vor etwa zwei Jahren in einigen russischen Städten entstanden. Das Vorgehen der meist rechtsextremen Aktivisten war überall das gleiche: Die Gruppe hat schwule Männer gezielt über soziale Netzwerke gesucht, in eine Falle gelockt, sie misshandelt und die Videos dann über das Internet verbreitet. Die Gruppe, die sich nun vor Gericht verantworten musste, war dabei besonders brutal: Ihre Opfer wurden geschlagen und getreten und mit Farbe übergossen – dann mussten sie auch noch mit Dildos posieren.

Während die Täter in den meisten russischen Städten nichts befürchten mussten, schritten die Behörden von Kamensk-Uralski gegen diese Angriffe ein: Wenige Wochen, nachdem die ersten Videos veröffentlicht wurden, hat die Polizei bei mehreren Razzien Waffen und Beweismittel beschlagnahmt. Doch Zeugen zu finden, die gegen die Neonazis aussagen wollten, war schwer. Der Prozess verzögerte sich deshalb mehrmals.

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Doch nun mussten sich neun „Occupy Pedophilia“-Mitglieder vor Gericht verantworten – und wurden wegen Todesandrohungen, Folter, Körperverletzung und der Mitgliedschaft in einer extremistischen Organisation verurteilt. Mindestens 19 Opfer zählte die Staatsanwaltschaft. Sechs Angeklagte müssen zwischen drei und sechs Jahre ins Gefängnis, drei weitere kommen mit Bewährungsstrafen davon. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil die Angeklagten innerhalb von zehn Tagen Berufung anmelden können.

Beachtenswert ist, dass das Urteil explizit darauf Bezug nimmt, dass schwule Männer die Opfer der Gewalttaten waren. Als letztes Jahr der Gründer und Anführer der Bewegung, der Neonazi Maxim Martsinkewisch, zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ging es in erster Linie um Rassismus, auch wenn das Opfer zugleich wegen seiner Homosexualität gedemütigt wurde.

Mittlerweile ist es um die „Occupy Pedophilia“-Bewegung ruhiger geworden. Nachdem international über die Taten der russischen Neonazis berichtet wurde, erhöhten die russischen Behörden mit Hausdurchsuchungen den Druck auf die Gruppen. Die Haupttäter setzten sich daraufhin beispielsweise in die Ukraine ab.

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