Homophober Überfall in Düsseldorf: Jetzt spricht das Opfer

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist zu Silvester auch in Düsseldorf ein schwuler Mann wegen seiner sexuellen Orientierung das Opfer einer Gewalttat geworden. Nun spricht das Opfer über die Tat und die Tage danach.

An der Rheinpromenade in der Altstadt feierten sieben schwule Männer ins neue Jahr, darunter auch der 27-jährige Christian Schmid aus Stuttgart. Gegen 00.20 Uhr wurde er von einem seiner Freunde umarmt.

„Er rannte grundlos auf die Gruppe zu“

Diese harmlose Geste dürfte einem der Umstehenden nicht gefallen haben: „Ein Angreifer rannte grundlos auf die Gruppe los und brüllte homophobe Äußerungen“, erzählt Matthias Heuken von „Rainbow Refugees“, ein Freund des Opfers.

Doch mit bloßen Beschimpfungen gab sich der Mann nicht zufrieden: „Er ist von der Seite angesprungen gekommen, hat irgend was Blödes geplappert und hat mir eine reingehauen“, erinnert sich Christian Schmid gegenüber GGG.at.

Er musste sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses in Düsseldorf gebracht werden, wo er erstversorgt wurde. Dann wurde der Stuttgarter in seine Heimatstadt verlegt, wo er fünf Tage in stationärer Behandlung blieb und operiert wurde. Der Kiefer hatte sich mit dem Jochbein verkeilt, dieses konnte nur durch eine aufwendige Operation und unter Einsatz von Titanplatten wieder hergerichtet werden.

Geschwollenes Gesicht und seelische Wunden

Mittlerweile wurde Schmid auf eigenen Wunsch aus dem Krankenhaus entlassen. Vorübergehend ist er zu seinen Eltern gezogen, damit er dort umfassend gepflegt werden kann. In sechs Monaten werden ihm die Titanplatten wieder entfernt.

„Mir geht es schon etwas besser. Das Gesicht ist aber natürlich noch stark geschwollen und schmerzt. Mal von den seelischen Wunden absolut abgesehen“, beschreibt Schmid seinen Zustand.

Der Täter ist flüchtig. Eine Anzeige wurde, so Schmid, noch in der Silvesternacht erstattet. Zeugen beschreiben den Mann als 1,65 Meter groß und mit einer markanten Hakennase. Er sprach deutsch mit türkischem Akzent, so die Zeugen weiter. Zum Zeitpunkt der Tat trug er eine auffällige rote Jacke und Jeans.

Anzeige erst nach Tagen im System der Polizei?

Die Anzeige ist nach Informationen des Opfers erst letzte Woche ins System der Polizei Düsseldorf aufgenommen worden. Nähere Informationen über den Verlauf der Fahndung hat das Opfer noch nicht bekommen. „Auch der genannte Zeuge ist noch immer nicht befragt worden“, ärgert sich Schmid. Immerhin hat die Gruppe gehofft, dass die Täterbeschreibung in Verbindung mit der auffälligen roten Jacke ein Anlass für die Polizei ist, vor Ort Ausschau zu halten.

Eine Stellungnahme der Düsseldorfer Polizei wurde angefragt.