Australischer Premier wurde vom Sydney Mardi Gras ausgeladen

Weil die Politik von Malcolm Turnbull ein Leitfaden sei, wie man die Ehe-Öffnung zum Scheitern bringt, muss der Premier im März 2017 zu Hause bleiben.

Malcolm Turnbull
Australische Regierung

Der australische Ministerpräsident Malcolm Turnbull wurde offiziell vom Mardi Gras 2017 ausgeladen. Im Vorjahr hatte er noch als erster Staatschef des Landes an der LGBT-Parade teilgenommen. Doch sein Taktieren rund um die Öffnung der Ehe hat ihn innerhalb der Community zur Persona non Grata gemacht.

Letztes Jahr als erster Premier dabei, dieses Jahr unerwünscht

Es war eine kleine Sensation, als letzten März Turnbull als erster amtierender Premierminister Australiens an der Mardi-Gras-Parade teilgenommen hat. „Es ist ein wunderbares Event, das fest zu Sydney gehört“, lobte der Politiker der Liberal Party das Event, das er schon vor seiner Bestellung zum Regierungschef mit seiner Frau besucht hatte, im Fernsehen. Er fühle sich „geehrt, hier zu sein“, so Turnbull.

Doch die freundlichen Nasenlöcher habe Turnbull „nur für die Medien“ gemacht, ärgert sich Cat Rose, die Organisatorin des Mardi Gras. Denn im politischen Alltag hat sich der australische Premier nicht gerade durch eine LGBT-freundliche Politik ausgezeichnet. Im Gegenteil: Seine Amtszeit sei „ein Leitfaden für homophobe Menschen, wie man die Ehe für alle durch eine schädliche Volksabstimmung zum Scheitern bringt“, so Rose auf Facebook.

Besuch beim Sydney Mardi Grad „nur für die Medien“?

Denn Turnbull hat sich geweigert, die Abstimmung über die Öffnung der Ehe in Australien im Parlament freizugeben – aus Rücksicht auf den konservativen Koalitionspartner und Konflikte innerhalb seiner eigenen Partei. Stattdessen hätte es eine nicht verbindliche Volksabstimmung geben sollen. Deren monatelanger Wahlkampf hätte die Feindseligkeit gegenüber Lesben und Schwulen verstärken können, befürchteten LGBT-Aktivisten.

Der australische Senat beendete schließlich die Diskussion Anfang des Monats: Ein Gesetz zur Durchführung der Volksabstimmung wurde abgelehnt. Die oppositionelle Labour-Party fordert nun die Öffnung der Ehe auf dem normalen parlamentarischen Weg – schließlich sei auch eine Mehrheit der Australier dafür.

Die Schlussfolgerung der Organisatoren auf dieses unwürdige Schauspiel: „Wir wollen unsere Abscheu als Community gegenüber diesem Premierminister ausdrücken und zeigen, dass wir seine falsche Freundschaft nicht brauchen“, erklärt Cat Rose auf Facebook. Malcolm Turnbull wurde offiziell vom Sydney Mardi Gras im März 2017 ausgeladen. Die Veranstaltung ist mit mehreren hunderttausend Teilnehmern eine der größten LGBT-Paraden der Welt.