Mobbte AfD-Chef bei der Bundeswehr eine lesbische Soldatin?

Uwe Junge
AfD Rheinland-Pfalz

Uwe Junge, Fraktionschef der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD) im Landtag von Rheinland-Pfalz, soll in seiner Zeit als Bundeswehr-Offizier eine lesbische Soldatin wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und beleidigt haben. Das melden mehrere lokale Medien.

Sie könne „ja sogar wie eine Frau aussehen“, soll Uwe Junge zu der lesbischen Soldatin gesagt haben

So wird im aktuellen Bericht des Wehrbeauftragten der Bundeswehr ein Fall beschrieben, in dem ein Vorgesetzter zu einer lesbischen Soldatin gesagt hätte, sie könne „ja sogar wie eine Frau aussehen“. Außerdem habe der Offizier gesagt, eine Familie bestehe aus „Mutter + Vater + Kinder; die Nation braucht deutsche Kinder“.

Zu einem Disziplinarverfahren gegen den Vorgesetzten kam es nicht, weil dieser dem Wehrbericht zufolge wegen eines politischen Amtes aus der Bundeswehr ausschied. Allerdings würde es sich bei dem Fall um einen Verstoß gegen die Grundsätze der Inneren Führung und die Fürsorgepflicht handeln, so der Bericht.

Betroffene Frau bestätigt, dass es der AfD-Chef von Rheinland-Pfalz der genannte Vorgesetzte war

Die Fälle werden im Wehrbericht anonymisiert wiedergegeben, es werden keine Daten genannt, die Rückschlüsse auf die betroffenen Personen zulassen. Wie die Mainzer „Allgemeine Zeitung“ allerdings berichtete, soll dieser Vorgesetzte Uwe Junge sein. Mittlerweile hat das auch die betroffene Frau, die anonym bleiben möchte, dem Südwestrundfunk (SWR) bestätigt.

Die „Allgemeine Zeitung“ berichtet weiters aus einem internen Schriftwechsel der Bundeswehr, dem zufolge sich Junge gegenüber der Lebenspartnerschaft der Soldatin und zur Erziehung ihrer Kinder diskriminierend geäußert haben soll. Außerdem soll er sich „in politischen Fragen nicht ausreichend zurückgehalten“ haben. Die Frau habe daraufhin daraufhin das Vertrauensverhältnis als gestört angesehen und außerdem gesundheitliche Probleme bekommen.

Uwe Junge beruft sich auf seine Verschwiegenheitspflicht

Junge selbst schweigt zu den Vorwürfen. Der Oberstleutnant a.D. ließ gestern Abend über einen AfD-Pressesprecher verlautbaren, er „kann und darf sich wegen seiner Verschwiegenheitspflicht zu dienstlichen Angelegenheiten der Bundeswehr nicht äußern“. Auch Hans-Peter Bartels, der Wehrbeauftragte des Bundestages, wollte auf Anfrage des SWR nichts über den Fall sagen.

Aus den anderen Parteien kommt Kritik an dem AfD-Politiker: Die queerpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Pia Schellhammer, machte klar: Wer derart gegen Minderheiten hetze und Menschen mobbe, habe sich als Soldat und Politiker disqualifiziert. Auch SPD-Generalsekretär Daniel Stich griff Junge scharf an. „Mittlerweile sind wir auch in Rheinland-Pfalz so weit, dass die AfD die politische Auseinandersetzung vergiftet und auf pure Eskalation setzt“, sagte er der „Allgemeinen Zeitung“.

Uwe Junge war vor seiner hauptamtlichen politischen Tätigkeit zuletzt Dezernatsleiter im Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Mayen gewesen. Davor hatte er unter anderem mehrere Einsätze in Afghanistan. Wenige Monate nach seinem Wechsel in den Landtag von Rheinland-Pfalz wurde der 59-Jährige in den Ruhestand versetzt.

Aufklärung über sexuelle Minderheiten für Junge eine „Umerziehung“

Bereits in seiner ersten Rede als Fraktionschef der AfD im Landtag von Rheinland-Pfalz hat Junge Pläne zur Akzeptanz sexueller Minderheiten als „Umerziehung“ bezeichnet: „Ihre penetrante Betonung auf bunte Vielfalt ist die bewusste Abkehr vom eigenen Volk“ richtete er dabei der Landesregierung aus.

Außerdem hat sich der 59-Jährige kritisch zu Regenbogenfamilien geäußert. „Im Blick auf das Kindeswohl und die Tatsache, dass es für jedes zur Adoption stehende Kind viele adoptionsbereite Familien mit Vater, Mutter und Geschwistern gibt, verbietet sich für uns die Adoption in homosexuellen Beziehungen“, sagte der Politiker. Kinder hätten ein „Recht auf Vater und Mutter“, so Junge.