Mittwoch, 28. Februar 2024
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Russland setzt dieses Jahr beim Song Contest aus

Provokation geglückt: Gastgeberland Ukraine hat jetzt den schwarzen Peter

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Russland wird nicht beim 61. Song Contest in Kiew teilnehmen. Das hat die European Broadcasting Union (EBU) gestern Abend bekanntgegeben. Gleichzeitig wird der Song Contest auch nicht im russischen Fernsehen ausgestrahlt. Damit hat ein Konflikt, den Russland nach Ansicht von Beobachtern bewusst herbeigeführt hat, seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden. Und er könnte auch noch Auswirkungen für das Veranstalterland haben.

Samoilowa trat auf der Krim auf – das führt zu einem Einreiseverbot

Die ukrainischen Behörden stießen sich an der russischen Kandidatin Julia Samoilowa. Die 27-Jährige, die seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzt, war im Jahr 2015 in der Stadt Kertsch auf der Krim aufgetreten. Die ukrainische Regierung hat allerdings nach der Annexion der Halbinsel durch Russland Reisen auf die Krim über russisches Gebiet  verboten. Wer sich nicht daran hält, muss mit Einreiseverboten in die Ukraine rechnen.

Dem entsprechend war die Entscheidung der Ukraine, Samoilowa nicht ins Land zu lassen, durchaus erwartbar. Dass sie trotzdem von Russland nominiert wurde, sehen Beobachter als geplante Provokation. Zuvor hatte die EBU noch versucht, die Wogen zu glätten: Man versuchte, für die russische Kandidatin eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken. Als dies nicht funktionierte, schlug die EBU vor, Samoilowa aus Moskau zuzuschalten oder Russland einen anderen Kandidaten nachzunominieren.

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Russland stellt sich stur und schiebt der Ukraine den Schwarzen Peter zu

Beides lehnte der Erste Kanal, der dieses Jahr für den russischen Beitrag zum Bewerb verantwortlich ist, ab. „Diese Variante ist völlig inakzeptabel“, ließ der Sender über die staatliche Nachrichtenagentur Interfax ausrichten. Und so blieb der EBU nichts übrig, als die Entscheidung Russlands, dieses Jahr den Song Contest zu boykottieren, zu akzeptieren. Damit treten im Mai in Kiew statt 43 nun nur 42 Länder an.

Die von Russland geplante Provokation gegen die Ukraine scheint damit aufgegangen zu sein: „Wir verurteilen die Entscheidung der ukrainischen Behörden auf das Schärfste, gegen Julia Samoilowa ein Einreiseverbot auszusprechen, da wir glauben, dass dies die Integrität und den unpolitischen Charakter des Eurovision Song Contests unterläuft und sein Ziel, alle Nationen in einem friedvollen Wettbewerb zusammenzubringen“, erklärte Frank Dieter Freiling, Vorsitzender der Eurovision Song Contest Reference Group.

Wird die Ukraine künftig vom Song Contest ausgeschlossen?

EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre warnte den ukrainischen Ministerpräsidenten Wolodimir Groisman im Vorfeld sogar davor, dass das ukrainische Fernsehen „von künftigen Veranstaltungen ausgeschlossen wird“ – also künftig nicht mehr am Song Contest teilnehmen dürfte, wenn Samoilowa nicht einreisen dürfte. Den Schwarzen Peter hat Russland also geschickt seinem ungeliebten Nachbarn zugeschoben – und dorthin reisen muss die russische Delegation auch nicht mehr.

Der verteidigt sein Vorgehen. „Der Besuch der Krim wird von der Ukraine nur über die Verwaltungsgrenze im Gebiet Cherson gestattet“, erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Die Anforderungen seien für alle gleich. „Ich glaube, Frankreich, Deutschland, Großbritannien oder Polen würden genauso handeln“, fügte Vizeministerpräsident Wjatscheslaw Kirilenko hinzu: „Es ist beispiellos und inakzeptabel, dass zum Wohle Russlands derart außergewöhnliche Forderungen an die Ukraine gerichtet werden“, kritisiert er die EBU.

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