Graz: „Stolperstein“ für schwules Opfer des Nazi-Terrors

Anton Zierler wurde im KZ Mauthausen umgebracht, weil er schwul war

Stolperstein für Anton Zierler
Andy Joe/RLP

In Graz wurden gestern an 14 verschiedenen Orten insgesamt 20 „Stolpersteine“ verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Zum vierten Mal wurde auch ein Stein zum Gedenken an einen Mann verlegt, der wegen seiner Homosexualität von den Nazis umgebracht wurde. Die RosaLila PantherInnen waren als Vertreter der Community bei der Erinnerung an die Getöteten dabei.

Bereits mit 26 Jahren gab es für Zierler die erste Haftstrafe wegen „Unzucht wider die Natur“

Ab sofort gibt es vor dem Haus Schönaugürtel 53 einen „Stolperstein“ zum Gedenken an Anton Zierler. Er wurde im Jahr 1900 geboren und wuchs als Halbwaise bei seiner Mutter auf. Schnell stieg er vom Lehrling zum Kaufmann und Prokuristen auf. Doch seine sexuelle Orientierung machte ihm Probleme: Bereits im Jahr 1926 wurde der junge Mann von den Gerichten der Ersten Republik wegen „Unzucht wider die Natur“ zu drei Monaten schweren Kerker verurteilt.

Unter den Nationalsozialisten verschlimmerte sich die Lage: Da er als Homosexueller bei der Polizei bekannt war, wurde er im März 1943 erneut angeklagt und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend wurde er als §175-Häftling ins Konzentrationslager Mauthausen geschickt. Dort starb er am 25. April 1945. Mit dem „Stolperstein“ werden  nun sein Name, sein Geburtstag und die Daten seiner Verurteilung, Deportierung und Ermordung verewigt bleiben.

Der vierte „Stolperstein“, der in Graz zum Gedenken an einen schwulen Mann verlegt wurde

Der „Stolperstein“ für Zierler ist bereits der vierte, der in Graz zum Gedenken an einen schwulen Mann verlegt wurde. Zuvor wurde bereits  Emmerich Gutmann, Alfred Mitkrois und Franz Schwarzl auf diese Weise gedacht. In Graz wird das Anbringen dieser Messingtafeln vom „Verein für Gedenkkultur in Graz“ organisiert.

„Gedenken ist wichtig und muss Konsequenzen im Hier und Heute haben. Genau das sind wir auch Menschen wie Anton Zierler schuldig“, erklärt Joe Niedermayer, Vorsitzender der RosaLila PantherInnen. Der Grazer Verein sieht sich als „Familie“ der NS-Opfer, die wegen ihrer Sexualität zu solchen wurden. „Bleiben wir wachsam. Kämpfen wir gegen Gewalt und Diskriminierung. Und setzen wir uns weiterhin für eine offene und tolerante Welt ein, in der Vielfalt als Chance erlebbar ist“, so Niedermayer weiter.

Die Idee für die „Stolpersteine“ stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Opfern des Nationalsozialismus soll mit einer Messingtafel in Form eines Straßensteins gedacht wird, der vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort angebracht wird. Insgesamt gibt es in Graz jetzt 148 solcher „Stolpersteine“. In Europa sind es bereits mehr als 60.000 auf den Straßen von Spanien über Belgien bis nach Russland.