Ägypten: 14 Männer wegen Homosexualität zu je drei Jahren Haft verurteilt

Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden die Männer in einer Wohnung beim Sex erwischt

Flagge Ägypten
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In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat ein Gericht in einem international viel beachteten Prozess am Sonntag 14 mutmaßlich schwule Männer zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt. Das bestätigte der Verteidiger der Männer internationalen Medien.

Schwule Männer untergraben die öffentliche Moral, meint das Gericht

Zwar ist Homosexualität in Ägypten prinzipiell legal, allerdings werden vor allem schwule Männer mit Gesetzen zur Wahrung der „öffentlichen Moral“ immer öfter verfolgt. In diesem Fall wurden den Männern „abnormale“ sexuelle Beziehungen zur Last gelegt. Sie haben dagegen berufen, gegen Zahlung einer Kaution von umgerechnet 230 Euro bleiben sie bis zur Berufungsverhandlung frei.

Das Verfahren gegen drei weitere Männer sei aus verfahrenstechnischen Gründen vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft betonte zu Beginn des Prozesses im Oktober, dass die 17 Männer verhaftet wurden, als sie in einer Privatwohnung Sex gehabt hätten. Menschenrechtsorganisationen hielten dagegen, dass sie die nun Angeklagten völlig willkürlich in Straßen und Restaurants festgenommen hätten.

Die Militärregierung macht verstärkt Jagd auf Homosexuelle

Die Verhaftungen seien Teil einer Regierungskampagne gegen Homosexuelle, so die Menschenrechtsaktivisten. Vor allem in den letzten Monaten hat sich die Jagd der Regierung auf sexuelle Minderheiten wieder verschärft. Es begann, als bei einem Konzert der libanesischen Band Mashrou‘ Leila am 22. September in Kairo einige Besucher Regenbogenfahnen geschwenkt hatten. Sieben Personen wurden deshalb festgenommen, einer wurde Medienberichten zufolge zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Immer öfter gab es daraufhin auch Verurteilungen schwuler Männer nach Razzien in Bars oder Privatwohnungen. So wurden Mitte Oktober wurden vier Männer nach einer Razzia in einer Wohnung, bei der angeblich Sextoys gefunden worden, zu drei Jahren Haft verurteilt.

Bis zu 76 Verhaftungen in den letzten Wochen

Bereits im April hat ein Gericht in dem nordafrikanischen Land elf Männer wegen mutmaßlicher Homosexualität zu Haftstrafen bis zu zwölf Jahren verurteilt. Da Homosexualität in Ägypten eigentlich nicht illegal ist, lautete die Anklage auf „Ausschweifungen und Anstiftung zur Ausschweifung“.

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass in den letzten Wochen mindestens 76 Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung festgenommen wurden. Bei einigen von ihnen soll es auch zu Anal-Untersuchungen gekommen sein, die international als Folter gelten. Mindestens 46 Männer wurden zu Haftstrafen zu sechs Monaten und vier Jahren verurteilt.