Brasilien: Letztes Jahr fast 350 Tote durch Homophobie

Durch die Rhetorik konservativer Politiker verschlechtert sich das Klima gegen sexuelle Minderheiten

Flagge von Brasilien
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Im letzten Jahr starben in Brasilien fast 450 Menschen an den Folgen von Homophobie. Zu diesem Ergebnis kam die LGBT-Organisation Grupo Gay de Bahia.

Anstieg um 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahr

Demnach zählten die Aktivisten im Jahr 2017 in ganz Brasilien mindestens 387 Morde und 58 Suizide, die eine direkte Folge von Homophobie waren. Das heißt, alls 19 Stunden starb in dem südamerikanischen Land eine LGBT-Person gewaltsam. Unter den Opfern ist auch die Trans-Frau Dandara dos Santos, die in Fortaleza im Nordosten Brasiliens brutal ermordet wurde. Ein Video von ihren Qualen kursierte danach in Sozialen Netzwerken.

Verglichen mit dem Jahr zuvor ist das ein Anstieg von 30 Prozent: Im Jahr 2016 zählte Grupo Gay de Bahia 327 Tote. Luiz Mott, Präsident der LGBT-Gruppe, führt diesen Anstieg auf das Verhalten ultrakonservativer Politiker zurück, die oft Verbindungen zu evangelikalen Gruppen haben: „Es ist eine öffentliche Debatte, die Solidarität untergräbt und LGBT-Personen mit Tieren gleichsetzt“, sagt er der britischen Tageszeitung The Guardian.

Durch erzkonservative Politiker verschlechtert sich das Klima

Sexuelle Minderheiten sind in Brasilien besonders gefährdet. Zwar hat das Land die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet, und Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität ist verboten. Auch ist die Parade in Rio de Janeiro eine der größten der Welt. Aber Therapien zur „Homo-Heilung“ sind in Brasilien nach wie vor legal, Hassreden kein Verbrechen. Und konservative Politiker versuchen, bereits erreichte Fortschritte wieder rückgängig zu machen.

„In den letzten zehn Jahren hat Brasilien versucht, Richtlinien zu schaffen, die verletzliche Gruppen wie Schwule, Lesben oder Transgender schützen könnten, aber die meisten von ihnen funktionieren nicht“, erklärt Jurema Werneck von Amnesty International in Brasilien dem Guardian. Das liege daran, dass die notwendigen Mittel für diese Richtlinien nicht bereitgestellt wurden oder diese Richtlinien nachträglich wieder geändert wurden.