Sonntag, 25. Februar 2024
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Hätte der „Gay Village Killer“ früher gestoppt werden können?

Umfangreiche Ermittlungen wurden erst aufgenommen, als ein weißer Mann verschwunden ist

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Die Ermordung von mindestens sechs schwulen Männern rund um das Gay Village der kanadischen Stadt Toronto wirft für die Community einige Fragen auf. Der selbständige Landschaftsgärtner Bruce McArthur soll seinen ersten Mord bereits 2012 begangen haben und war schon zuvor als gewalttätig bekannt. Gefasst wurde er aber erst jetzt, sechs Jahre später.

Wie konnte ein Serienmörder in der Schwulenszene jahrelang unentdeckt bleiben?

„Dass ein Serienmörder jahrelang unentdeckt bleibt, wirft kritische Fragen über die Schwachstellen und die Überschneidungen von Schwachstellen auf, mit denen viele Mitglieder unserer Community Erfahrungen haben“, heißt es in einer Stellungnahme des lokalen Community-Zentrums, The 519.

Die Alliance for South Asian AIDS Prevention in Toronto stellt sich wiederum die Frage, warum die Polizei von Toronto erst mit ersthaften Ermittlungen begonnen hatte, nachdem ein weißer Mann vermisst gemeldet wurde. Ins Rollen kam der Fall erst mit dem Verschwinden von Andrew Kinsman und Selim Esen im letzten Jahr. In diesen Fällen wurde McArthur schon am 10. Jänner angeklagt.

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Die Opfer mit südasiatischem Hintergrund wurden mehr oder weniger zufällig gefunden

Erst im Zuge der Ermittlungen bemerkten die Ermittler, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hatten. Majeed Kayhan ist schon 2012 verschwunden. Er soll eine Beziehung mit McArthur gehabt haben. Sein zweites Opfer, Soroush Mahmudi, soll zuletzt 2015 gesehen worden sein.

Das dritte Opfer von McArthur, Dean Lisowick hatte keinen festen Wohnsitz und wurde auch nicht vermisst gemeldet. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass er zwischen Mai 2016 und Juli 2017 ermordet wurde. In diesen drei Fällen wurde erst am 29. Jänner Anklage gegen den 66-Jährigen erhoben.

Es könnte noch weitere Opfer geben

Die Polizei von Toronto prüft zur Zeit, ob es noch weitere Verbindungen zwischen McArthur und anderen vermissten Männern gibt, die seit 2010 verschwunden sind. Einen derartigen Fall habe es in Toronto noch nicht gegeben, sagte der zuständige Detective Hank Idsinga bei einer Pressekonferenz am Montag: „Wir wissen nicht, wie viele Opfer es noch geben wird.“

Der Polizei war Bruce McArthur schon seit 2003 bekannt: Damals wurde er verurteilt, weil er einen Mann mit einem Eisenrohr angegriffen hatte. Der Mann lebte im gleichen Wohnkomplex im Gay Village wie Kayhan. McArthur wurde dazu verurteilt, sich von dem Gebäude zwei Jahre lang fernzuhalten.