Trainingslager bei Homo-Hassern: Hitzlsperger kritisiert Bayern München

Dass es auch anders geht, beweist der norwegische Meisters Trondheim

Thomas Hitzlsperger
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Kritik am FC Bayern München übt der offen schwule ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger in der aktuellen Ausgabe des Mannschaft-Magazins. Konkret kritisiert der ehemalige Bayern-Spieler das Winter-Trainingslager der Bayern in Katar.

Absage von Trainingslagern in homophoben Staaten ein „gutes Zeichen“

Lob gibt es hingegen für die Entscheidung des norwegischen Meisters Trondheim, unter anderem wegen der Verfolgung und Bestrafung von Schwulen und Lesben das Trainingslager in Dubai abzusagen: „Ich finde es gut, dass der Verein ein Zeichen gegen Homophobie setzt und sich öffentlich dagegen ausspricht“, so Hitzlsperger.

Doch diese Einstellung haben nicht alle Fußballvereine, erinnert der ehemalige Profi: „Im Gegenzug dazu reist Bayern München schon seit vielen Jahren nach Katar. Die Menschenrechtslage dort ist keinen Deut besser. Der Rekordmeister musste feststellen, dass heutzutage eine solche Reise nicht nur durch die guten Trainingsbedingungen zu rechtfertigen ist; dafür sind sie zu bekannt und zu bedeutend, um vor den Gegebenheiten vor Ort die Augen zu verschließen.“

Allerdings hat Hitzlsperger Hoffnung, dass der FC Bayern München die Auswahl seines Winter-Trainingslagers künftig sensibler trifft: „Der Druck der Öffentlichkeit hat zugenommen, sodass nun ein Dialog zwischen dem Verein und dem Gastgeber begonnen hat und damit verbunden ist Hoffnung auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage. Auch dies ist eine Möglichkeit, Veränderung herbeizuführen. Es muss aber nachhaltig sein.“ Hitzlsperger hat von 1989 bis 2000 in der Junioren-Mannschaft des FC Bayern München gespielt.

Thomas Hitzlsperger glaubt, dass Fußball trotzdem Menschen zusammenbringen kann

Prinzipiell glaubt Thomas Hitzlsperger daran, dass Fußball Menschen zusammenbringen kann. „Vor allem im Fußball findet sich gesellschaftliche Vielfalt wieder und gerade hier bietet sich die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Fußball begeistert enorm viele Menschen, in der Stadt und auf dem Land, wohlhabende und weniger wohlhabende Menschen, alte und junge, homosexuelle und heterosexuelle. Mir ist es besonders wichtig, mich gegen Diskriminierungen einzusetzen und für einen zeitgemäßen Umgang mit der sexuellen Orientierung und für Toleranz zu werben“, erklärt er im Interview mit der Mannschaft.

Angesprochen auf die Sicherheit homosexueller Fans in Russland sagte der DFB-Botschafter für Vielfalt: „Sicherheit ist ein relevantes Thema für alle. Es war aber schon herauszuhören, dass der Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Hooligan-Gewalt liegt. Das Problem ist scheinbar so schwerwiegend, dass für weitere Themen wenig Raum zu sein scheint.“