Kirche unterstützt Demonstration gegen LGBT-Rechte in Kroatien

Demonstranten fürchten mehr Rechte für Transgender-Personen und die Anerkennung des Dritten Geschlechts

Flagge von Kroatien
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In Kroatien sind am Samstag mehrere tausend Demonstranten gegen die Rechte sexueller Minderheiten auf die Straße gegangen. Dazu aufgerufen haben die römisch-katholische Kirche und mehrere rechtsgerichtete Kräfte, berichtet die Deutsche Welle.

Die Demonstranten, die durch die Hauptstraßen der kroatischen Hauptstadt Zagreb zogen, riefen patriotische Slogans, schwenkten Nationalflaggen und forderten den Rücktritt der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Andrej Plenković. Mit dem Segen der Kirche: Auf Facebook rief Vlado Košić, der Bischof von Sisak, die Christen des Landes auf, sich an den Demonstrationen zu beteiligen.

Wie viele Menschen dem Aufruf gefolgt sind, ist unklar: Die Polizei schätzte die Anzahl der Demonstranten auf 7.000. Die Organisation „Kroatien gegen die Istanbul-Konvention“, die sich aus rechtsgerichteten Kräften und Vertretern der katholischen Kirche zusammensetzt, sprach von 70.000 Teilnehmern.

Demonstrationen gegen eine Konvention, die unter anderem vor häuslicher Gewalt schützen soll

Offiziell geht es in den Protesten gegen die Ratifizierung einer Konvention gegen häusliche und geschlechterbezogene Gewalt sowie Gewalt gegen Frauen. Bis jetzt haben 46 Länder die 2011 verabschiedete Istanbul-Konvention des Europäischen Rates ratifiziert, darunter auch 17 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Doch in Wirklichkeit gegen die Demonstranten gegen die Rechte sexueller Minderheiten auf die Straße: Sie fürchten, dass durch die Ratifizierung der Konvention in Kroatien ein Drittes Geschlecht eingeführt wird und Transgender-Personen mehr Rechte bekommen.

Auch fürchten sie, dass durch die Hintertüre die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden könnte. Ein Motiv, das in Kroatien durchaus mobilisiert: So haben im Dezember 2013 bei einer Volksabstimmung 65 Prozent dafür gestimmt, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau in die kroatische Verfassung aufzunehmen. Im Gegenzug hat die damalige Regierung kurz darauf eine Eingetragene Partnerschaft eingeführt, die fast alle Rechte der Ehe hatte.

Regierung betont: Am Ehe-Verbot für Lesben und Schwule soll nicht gerüttelt werden

Die Demonstrationen zeigen bereits erste Erfolge: In einer gesonderten Erklärung betont die kroatische Regierung jetzt, die Konvention werde die legale Definition der Ehe als Einheit von Mann und Frau nicht verändern und auch keine „Gender-Ideologie“ in den kroatischen Schulen einführen.

Der Konvention will die kroatische Regierung aber trotzdem beitreten. Sie hat das Übereinkommen dem Parlament am Donnerstag zur Billigung vorgelegt. Dieses hat allerdings noch nicht abgestimmt. Bekommt die Konvention den Sanktus der Abgeordneten, wollen die Organisatoren der Protestaktion eine Volksabstimmung dagegen durchführen.