[Video] Kenia: Lesbischer Film „Rafiki“ darf eine Woche lang gezeigt werden

Damit erfüllt der Film die Voraussetzungen, für den Auslands-Oscar nominiert zu werden

Rafiki
Big World Cinema

Einen wichtigen Etappensieg hat die kenianische Regisseurin Wanuri Kahiu in ihrer Heimat erreicht: Ihr Film „Rafiki“ (Kisuaheli für Freund/Freundin) darf eine Woche lang in einem Kino in Kenia gezeigt werden – und erfüllt somit die Voraussetzungen, um in das Rennen für den Auslands-Oscar zu gehen. Das berichtet die lokale LGBT-Organisation NGLHRC.

Denn dafür muss der Film bis zum 23. September im Produktionsland gezeigt worden sein – doch die Zensurbehörde KFCB hat die Aufführung von „Rafiki“ wegen seiner lesbischen Story verboten. In dem Film geht es um die Freundinnen Kena und Ziki, die ihre Träume leben wollen – und sich zum Schluss zwischen ihrem Glück und ihrer Sicherheit entscheiden müssen.

Ein Film mit lesbischem Inhalt gefährdet die Moral des Landes, so die Zensurbehörde

Das erschüttert die Moral des Landes, ist die Behörde überzeugt. Sie verbot die Aufführung von „Rafiki“ in Kenia wegen „seinem homosexuellen Thema und der klaren Absicht, Lesbianismus zu bewerben“.  Sie wies darauf hin, dass auch der bloße Besitz des Films in Kenia strafbar sei.

Das wollte Kahiu nicht hinnehmen. „Es ist nicht das Recht einer Regierung, vorzuschreiben, was man sich vorstellen kann und was nicht oder wer existieren darf“, sagte sie der Zeitschrift Vanity Fair. Sie zog mit dem Argument vor Gericht, das Verbot mache es unmöglich, den Film für den Wettbewerb um den Oscar für den besten ausländischen Film einzureichen.

Eine Richterin erlaubt, den Film sieben Tage lang zu zeigen

Am Freitag hat sie den Rechtsstreit gewonnen. Richterin Wilfrida Okwanny hat in ihrem Urteil die Aufführung des Films für sieben Tage erlaubt, beginnend mit dem 22. September. Damit kann „Rafiki“ bei den Oscars eingereicht werden.

„Homosexuelle Themen oder Praktiken haben nicht mit ‚Rafiki‘ begonnen, so die Richterin. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass die Gesellschaft  von Kenia so schwach ist, dass die moralischen Grundlagen von einem solchen Film erschüttert werden“, rechtfertigt sie die temporäre Freigabe.

„Rafiki“ überzeugte als erster kenianischer Film beim Festival in Cannes

Der Film gilt als einer der möglichen Favoriten für den Auslands-Oscar. Seine Premiere hatte er im April bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, wo er als erster kenianischer Film begeistert aufgenommen wurde.

Gleichgeschlechtliche Handlungen sind in Kenia illegal. Sie können mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden. Derzeit verhandelt der Oberste Gerichtshof des Landes einen Fall, der zur Legalisierung von Homosexualität führen könnte. Gesellschaftlich sind Angehörige sexueller Minderheiten Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt.