Rumänien: Mehr Homophobie durch Referendum gegen Ehe-Öffnung

„Macht genau das, was ihr wollt. Weil ich weiß, wie es ist, wenn man nicht das machen kann, was man will.“

Flagge Rumänien
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Am Wochenende stimmt Rumänien darüber ab, ob das sowieso schon geltende Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare auch in die Verfassung aufgenommen wird. Beobachter rechnen mit einer deutlichen Zustimmung – die Frage ist nur, ob das notwendige Quorum von 30 Prozent der Wahlberechtigten erreicht wird.

Für einige Rumänen ist das Referendum ein Grund, ihren Hass gegen LGBT-Personen offen zu zeigen

Doch ein zweifelhaftes Ziel haben die Organisatoren der Volksabstimmung schon erreicht: Das Hass auf sexuelle Minderheiten ist in einem der homophobsten Länder Europas noch einmal gestiegen, die Community fürchtet noch mehr Probleme.

„Dieses Referendum hat den Leuten einen Grund gegeben, soviel Hass wie möglich zu verbreiten, und wir werden deshalb leiden“, ärgert sich Alex Andronic, Autor und Besitzer einer Schwulenbar in der Hauptstadt Bukarest. Damit meint er die „Koalition für die Familie“, ein von der rumänisch-orthodoxen Kirche unterstütztes Bündnis konservativer Organisationen.

Für Kritik am Referendum bekam ein LGBT-Aktivist viel Hass zu spüren

Sie haben mehr als drei Millionen Unterschriften gesammelt, um das Referendum durchzuführen. Nötig wäre nur ein Sechstel gewesen. „Wenn es dich beruhigt, nimm mir die Rechte, die ich sowieso nicht habe, wenn es dich näher zu Gott, der Tradition und den Familienwerten bringt“, ätzt der 25-Jährige Andronic verzweifelt auf Facebook.

Und fügt hinzu: „Macht genau das, was ihr wollt. Weil ich weiß, wie es ist, wenn man nicht das machen kann, was man will.“ Sein Posting ging viral. Andronic bekam dafür viel Unterstützung – aber er bekam auch den Hass zu spüren, der vielen Mitgliedern der LGBT-Community immer mehr Angst macht.

Die Regierung will mit der Volksabstimmung von ihren eigenen Skandalen ablenken

Die populistische sozialdemokratische Regierung nutzt die Volksabstimmung und den Hass auf sexuelle Minderheiten auch, um von ihren eigenen Skandalen abzulenken. Die einflussreiche rumänisch-orthodoxe Kirche sagt, ein Ja beim Referendum sei christlich, demokratisch und patriotisch.

Und die „Koalition für die Familie“ hat mittlerweile sämtliche Hemmungen verloren. Sie behauptet unter anderem auf Plakaten, wenn das Ehe-Verbot nicht beschlossen werde, würden schwule Paare Kinder stehlen oder adoptieren.

„Es hat uns in der Vergangenheit gegeben, es wird uns in der Zukunft geben“

„Das bringt Hassreden vom Rand in den Mainstream – mit Auswirkungen auf alle Gruppen der Gesellschaft, und die Rechte aller Minderheiten werden in Frage gestellt“, warnt Vlad Viski von der größten rumänischen LGBT-Organisation Mozaiq im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Und es bleibt nicht nur bei Worten: „Seitdem dieses Referendum genehmigt wurde, hat sich die Zahl der transphoben Vorfälle, die mir passiert sind, mehr als verdoppelt“, sagt Antonella, eine 28-jährige Trans-Frau, die auch der ethnischen Minderheit der Roma angehört. Doch aufgeben will sie nicht: „Es hat uns in der Vergangenheit gegeben, es wird uns in der Zukunft geben“, gibt sie sich selbstbewusst.