Sansibar: Polizei verhaftet zehn schwule Männer

Sie sollen eine schwule Hochzeit gefeiert haben, ihnen drohen bis zu 25 Jahre Haft

Gefängnis
Symbolbild - Fotoloa

Die Lage für sexuelle Minderheiten in Tansania verschlechtert sich weiter: Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) bekanntgegeben hat, soll die Polizei in Sansibar zehn mutmaßlich schwule Männer festgenommen haben. Die Insel gilt auch bei europäischen Urlaubern als beliebtes Reiseziel.

Die Männer sollen eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert haben, als sie verhaftet wurden

Die Männer sollen in Pongwe, einem Ort am Strand, eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert haben, erklärte AI. Sansibar ist eine teilautonome Region, hier gelten seit 2004 für gleichgeschlechtliche Beziehungen eigene Regeln: So sind bis zu 25 Jahre Haft für einvernehmlichen schwulen Sex möglich. Lesbischer Sex wird nur in Sansibar mit bis zu sieben Jahren bestraft.

Die AI zufolge „schockierenden“ Festnahmen zeigen, dass Tansania Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolge, erklärte der stellvertretende Ostafrika-Direktor der Menschenrechtsorganisation, Seif Magango.

Bereits letztes Jahr wurden in Sansibar die Teilnehmer eines Aids-Workshops festgenommen

Bereits letztes Jahr wurden auf Sansibar zwanzig Teilnehmer eines Workshops wegen angeblicher Homosexualität festgenommen. Polizeichef Hassan Ali Nasri erklärte damals, die Exekutive in Sansibar wolle Lesben und Schwule „jagen und vor Gericht bringen“.

Auch sonst werden in Tansania sexuelle Minderheiten immer stärker von den Behörden verfolgt. Erst letzte Woche hat Paul Makonda, Gouverneur von Tansanias größter Stadt Daressalam, angekündigt, innerhalb einer Woche alle Schwulen der Vier-Millionen-Stadt festzunehmen.

Lesben und Schwule müssen in Tansania mit immer mehr Repressionen der Regierung rechnen

Die Regierung von Tansania hat sich von den Ankündigungen des Gouverneurs mittlerweile distanziert – allerdings ohne die Pläne auch zu verurteilen. Das Vorhaben von Makonda stehe nicht für die Politik der Regierung, erklärte Außenminister Augustine Mahiga.

Trotzdem wird die Community immer wieder aktiv von Behörden gejagt, es kommt auch zu international umstrittenen „Anal-Untersuchungen“, um die Homosexualität von Verdächtigen zu beweisen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bestätigt, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender verstärkt zum Ziel der Behörden geworden sind.

Die Europäische Union rief mittlerweile ihren Botschafter Roeland van de Geer wegen der Verschlechterungen der Menschenrechtslage zu Konsultationen nach Brüssel zurück. Ein Kommissionssprecher erklärte, die Beziehungen zu Tansania würden auf den Prüfstand gestellt.