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London: HIV-Patient nach Stammzellentherapie virenfrei

Seit 18 Monaten braucht der Mann keine HIV-Medikamente mehr

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Es ist eine kleine wissenschaftliche Sensation: Nach einer Stammzellenbehandlung können bei einem Mann in London seit 18 Monaten keine HI-Viren mehr nachgewiesen werden. Der Fall könnte wichtige neue Impulse für die HIV-Forschung geben. Von einer Heilung wollen die beteiligten Forscher aber noch nicht sprechen.

Der Stammzellenspender hatte eine genetische Mutation, die HI-Viren an ihrer Verbreitung hindert

Wie das Team um Ravindra Gupta vom University College London im Fachblatt Nature berichtet, war der „Londoner Patient“ an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Daraufhin wurden ihm vor fast zwei Jahren Stammzellen eines Knochenmarkspenders transplantiert, der eine seltene genetischen Mutation hatte. Seitdem können bei dem Mann keine Erreger mehr nachgewiesen werden. Seit September 2017 nimmt der Mann auch keine HIV-Medikamente mehr.

Die Genveränderung, die durch die Transplantation übertragen wurde, blockiert dabei eine wichtige Eintrittspforte der HI-Viren. Durch die Mutation werde der CCR5-Rezeptor auf der Oberfläche von Immunzellen fehlerhaft und somit funktionslos, beschreiben die Forscher. Diesen Rezeptor nutzen HI-Viren normalerweise, um Immunzellen zu infizieren. Durch den Fehler können sie aber nicht in die Zellen eindringen, ihnen bleibt der Weg versperrt.

Parallelen zum „Berliner Patienten“, dem bislang einzigen geheilten HIV-Patienten

Der Fall weist Parallelen zum „Berliner Patienten“ Timothy Brown auf, dem bislang einzigen Mann, der von einer HIV-Infektion geheilt werden konnte. Auch dem US-Amerikaner war vor rund zehn Jahren ebenfalls Knochenmark eines Spenders mit einer genetischen Mutation transplantiert worden. Diese verhinderte offenbar eine Infektion mit HIV.

„Diejenigen von uns, die auf diesem Gebiet tätig sind, haben sehnsüchtig darauf gewartet, dass mit diesem Vorgehen eine zweite Heilung klappt. Solange Timothy Brown der Einzige war, haben wir uns immer gefragt, ob er womöglich auch der Einzige bleibt“, erklärte HIV-Experte Keith Jerome der New York Times.

„Der Bericht zeigt, dass die Heilung des Berliner Patienten von HIV kein singuläres Ereignis war, sondern prinzipiell wiederholbar ist. Er ist damit von großer Bedeutung und gibt den Anstrengungen von Forschern Auftrieb, die nach Wegen zu einer Heilung von HIV suchen“, kommentierte Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln die Studie in Nature.  Er schränkt die Hoffnungen allerdings ein. Es sei „noch völlig unklar, welche Methoden hier am Ende erfolgreich sein können.“