Bildungsministerium verbannt TeenSTAR von Österreichs Schulen

Nach neuen Erkenntnissen und Enthüllungen zieht Bildungsminister Faßmann die Reißleine

Bildungsministerium
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Der fundamentalchristliche Aufklärungsverein TeenSTAR soll künftig nicht mehr an österreichischen Schulen lehren. Das berichtet die Wiener Stadtzeitung Falter in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe. Das Bildungsministerium vollzieht damit eine 180-Grad-Wende.

Zunächst konnte das Ministerium in den Unterlagen keine gefährlichen Inhalte finden

In den internen Schulungsunterlagen, die vor mehr als einem halben Jahr der HOSI Salzburg zugespielt wurden, war unter anderem zu lesen, dass Homosexualität durch eine Kombination aus Therapie, Selbsthilfegruppen und Seelsorge tendenziell heilbar sei, Masturbation schädlich sei und auf Sex vor der Ehe verzichtet werden solle.

Doch noch vor wenigen Tagen hat es aus dem Ministerium geheißen, TeenSTAR könne seine Workshops zur Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen weiter an den Schulen abhalten: In aktuellen Unterlagen, die der Verein zur Prüfung vorgelegt hatte, seien keine problematischen Stellen gefunden worden.

Auch Experten aus dem Bildungsministerium warnten vor TeenSTAR

Doch das dürfte nicht ganz der tatsächlichen Situation entsprochen haben. Auch die neuen, aktuellen Workshop-Papiere, die dem Falter vorliegen, „strotzen vor Rollenklischees, frönen einem merkwürdigen, weiblichen Fruchtbarkeitskult und entsprechen nicht den sexualpädagogischen Grundsätzen des Ministeriums“, wie die Wochenzeitung berichtet.

Auch vom Ministerium befragte Experten warnten vor den Inhalten in den TeenSTAR-Unterlagen. Den Stellungnahmen zufolge enthielt das Schulungsmaterial Falschinfos und teils menschenrechtlich bedenkliche Aussagen. Deshalb sei es nicht für den Einsatz an Schulen geeignet. Es bestehe die Gefahr „dass bei Kindern und Jugendlichen, die selbst oder deren Familien nicht dem als anzustreben vermittelten spezifischen Lebensentwurf entsprechen, schwerwiegende persönliche Krisen ausgelöst werden können“, hieß es in den nicht veröffentlichten Stellungnahmen

Faßmann zieht die Reißleine, verbannt TeenSTAR und führt ein neues Verfahren ein

Mit den aktuellen Unterlagen des fundamentalchristlichen Aufklärungsvereins konfrontiert, erklärt Bildungsminister Heinz Faßmann dem Falter: „Solche Aufklärungskurse sind nicht altersadäquat und sie verfestigen altmodische Rollenvorstellungen. Deshalb darf TeenSTAR ab sofort an Schulen nicht mehr arbeiten. Ich empfehle betroffenen Schulen, allfällige Zusammenarbeiten mit TeenSTAR zu beenden.“

Der Minister geht noch einen Schritt weiter: „Ich nehme den neuerlichen Fall TeenSTAR zum Anlass, ab dem Schuljahr 2020/21 ein zentrales Akkreditierungsverfahren für alle sexualpädagogischen Vereine einzuführen. Wir haben hier über 100 Vereine und müssen einheitliche Qualitätsstandards etablieren“, so Faßmann. Das betrifft auch LGBT-Vereine, die entsprechende Kurse an Schulen anbieten.

HOSI Salzburg begrüßt die Entscheidung des Ministers

Für Kathleen Schröder, Bildungsbeauftragte der HOSI Salzburg, ist die Entscheidung des Bildungsministers ein wichtiger Sieg. „Die heute bekannt gewordene Kehrtwendung in der Causa TeenSTAR ist ein wichtiger Schritt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen“, erklärt sie: „Als HOSI Salzburg werden wir weiterhin wachsam sein und uns zu Wort melden, wenn religiös-fundamentalistische Vereine versuchen, die Sexualpädagogik zu unterwandern.“

Denn diese werde in Österreich noch immer geringgeschätzt. „Es gibt eine Vielzahl an hoch professionellen und seriösen Anbieter*innen von qualitativ hochwertiger Sexualpädagogik. Es ist an der Zeit, die Expertise dieser Anbieter*innen abzurufen und die Sexualpädagogik in Österreich aufzuwerten“, betont Schröder.

TeenSTAR kann die Entscheidung nicht verstehen

Bei dem erzkonservativen Verein kann man die Aufregung nicht verstehen. Bei TeenSTAR reagierte man mit Verwunderung und Bedauern auf Faßmanns Empfehlung. Bisher habe kein direktes Gespräch mit dem Minister stattgefunden, hieß es in einer Presseaussendung.

Im Umgang mit Schulen und Eltern hätten die Kursleiter des Vereins laufend Zuspruch und positives Feedback erhalten, betonte TeenSTAR. Die eigenen Erfahrungswerte „stehen somit der kolportierten Kritik diametral gegenüber“.