Jeder fünfte Schwule würde die FPÖ wählen

In einer großen Online-Befragung führen die Grünen - doch auch Konservative sind stark vertreten

Österreichisches Parlament
Peter Korrak/Parlamentsdirektion

Jeder fünfte schwule oder bisexuelle Mann würde bei der Nationalratswahl die FPÖ wählen. Das geht aus einer Online-Umfrage des IFQM-Instituts im Auftrag der schwulen Unternehmervereinigung Network Gate hervor.

Grüne führen vor der SPÖ – doch FPÖ und ÖVP sind knapp dahinter

Demnach führen bei der Sonntagsfrage zwar die Grünen mit 24 Prozent vor der SPÖ mit 22 Prozent, doch mit 21 Prozent liegen die Freiheitlichen bei der schwulen Klientel auf dem dritten Platz. Danach folgt mit 19 Prozent die ÖVP, unerwartet schwach ist das Abschneiden der NEOS: Mit 10 Prozent liegen sie auf dem fünften Platz.

„Es freut mich, dass wir an der ersten Stelle sind“, so die Grüne Bundesrätin Ewa Ernst-Dziedzic, die jetzt für den Nationalrat kandidiert, bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Studienergebnisse. „Für uns sind Menschenrechte unteilbar, und wir haben auch viele Kandidaten aus der Community an wählbarer Stelle“

Hier zahlt sich das Engagement der Grünen deutlich aus. Denn verglichen mit dem Wahlverhalten der Gesamtbevölkerung gibt es deutlich mehr Sympathien für die Grünen, die ÖVP schneidet signifikant schlechter ab als der Schnitt.

Trotz LGBT-feindlicher Politik: Hohe Zustimmung schwuler Männer zu freiheitlicher Politik erwartbar

Dass die Freiheitlichen, die sich immer stark gegen LGBT-Themen positioniert haben, so viel Zustimmung finden, überrascht nur auf den ersten Blick. „Wenn man über Jahre beobachtet, wie Schwule und bisexuelle Männer wählen, war das erwartbar“, so Chris Führer von IFQM über die Stärke der FPÖ bei schwulen und bisexuellen Männern.

Das sollte auch innerhalb der politisch engagierten Community für ein Umdenken sorgen, fordert die Volkspartei: „Es wählen 40 Prozent ÖVP und FPÖ – wir sollten in der Community aufeinander zugehen“, sagt Nico Marchetti, Nationalratsabgeordneter und Obmann der JVP Wien, bei der Podiumsdiskussion.

In der Kanzlerfrage liegt Pamela Rendi-Wagner nur ganz knapp vor Sebastian Kurz

Und auch bei der Frage nach dem Wunsch-Bundeskanzler schlägt sich die Volkspartei passabel: So liegen SPÖ-Kandidatin Pamela Rendi-Wagner mit 31 Prozent und ÖVP-Altkanzler Sebastian Kurz mit 29 Prozent recht nah beieinander. „Sowohl das Wahlmotiv Sebastian Kurz als auch das Nicht-Wahlmotiv Sebastian Kurz ist bei der ÖVP stark vertreten“, erklärt Führer. Bei seinen Fans gilt Kurz als jung und dynamisch, seine Gegner lehnen ihn ebenso leidenschaftlich ab.

Bei der Frage nach dem favorisierten Vizekanzler führt Grünen-Chef Werner Kogler mit 28 Prozent vor NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger mit 21 Prozent.

Lesbische und bisexuelle Frauen sowie andere sexuelle und geschlechtliche Minderheiten wurden in dieser Umfrage nicht befragt. „Wir haben nur Mitglieder, die sich mit schwulen Männern befassen“, erklärte Network-Gate-Präsident Günter Moser: “Wir haben uns auf diese Zielgruppe konzentriert, weil sie für die Parteien wichtig ist.“