Schweiz: Vater wollte schwulem Sohn die Kehle durchschneiden

Nur mit viel Glück hat der 17-Jährige überlebt

Seran M.
privat

Als der Vater von Seran M. gemerkt hat, dass sein Sohn schwul ist, soll der aus dem Irak stammende Mann den Entschluss gefasst haben, sein Kind zu töten – und das mitten in der Schweiz. Nun hat der 17-Jährige mit der Pendlerzeitung 20 Minuten das erste Mal über diese traumatischen Momente gesprochen.

Als er aufwachte, hatte der Teenager bereits ein Messer an der Kehle

Nie wird Seran den Morgen vergessen, der sein Leben veränderte: Er erinnert sich, dass ihm sein Vater, ein gläubiger Moslem, bereits ein Messer an den Hals gesetzt hat, als er aufgewacht ist. Dann soll er seinen Sohn angestarrt und geschrien haben: „Du bist schwul“. Augenblicke später spürt der Teenager den Schnitt an seinem Hals.

Der zierliche Bursche kämpft um sein Leben, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Angriff. Er flüchtet blutüberströmt über den Balkon ins Freie. Nachbarn alarmieren schließlich Rettung und Polizei. Die Kantonspolizei Bern nimmt den Vater in Gewahrsam. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der 17-Jährige wird mit schweren Schnittverletzungen am Hals und am Oberkörper ins Berner Inselspital geflogen. Wie durch ein Wunder überlebt Seran den Angriff. „Die Halsschlagader hatte er zum Glück knapp verfehlt, die Luftröhre wurde jedoch arg verletzt. Ich musste ins künstliche Koma verlegt werden“, erinnert sich der Bursche gegenüber 20 Minuten.

Nun kann Seran sein zweites Leben führen – offen, und fernab der Familie

Nun, sechs Monate später, kann Seran nun sein zweites Leben führen. Weg von der Familie, in einem anderen Ort im Kanton Bern, wohnt er jetzt alleine.

Dicke Narben am Hals, der Brust, dem Rücken und an den Armen erinnern ihn jeden Tag an den Morgen, der sein Leben verändert hat. „Ich sehe sie im Spiegel oder wenn ich Selfies und Snaps mache. Sie werden mich für den Rest meines Lebens begleiten“, so Seran.

„Ich bin jetzt ein freierer Mensch als vorher“

Trotzdem versucht er, das Beste aus der Situation zu machen. „Ich bin jetzt ein freierer Mensch als vor dem Zwischenfall“, sagt er. Seit kurzem nimmt er auch psychologische Hilfe in Anspruch – damit auch die seelischen Narben verheilen.

Das Verhältnis zur Familie ist seit diesem verhängnisvollen Morgen allerdings schwierig: „Meine Mutter schämt sich dafür, was geschehen ist.“ Seran allerdings hat genug davon, sich zu schämen. Denn er will sich nicht mehr verstecken.

„Mein Vater wollte mich töten, weil ich auf Männer stehe. Ich kann das nicht akzeptieren“

Darum hat er den Vorfall und seine Folgen auf Instagram öffentlich gemacht. „Wir haben 2019 und mein Vater wollte mich töten, weil ich auf Männer stehe. Ich kann das einfach nicht akzeptieren“, sagt der 17-Jährige selbstbewusst.

Anderen schwulen Muslimen, die sich outen wollen, empfiehlt er, sich Hilfe zu holen – und sich nicht von der Familie unterdrücken zu lassen.