Getöteter schwuler Pastor wegen Drogendelikts verurteilt

Die Details aus dem Leben des 77-Jährigen sorgen für mehr Fragen als Antworten

Reinhold Zuber
Polizei Berlin

Immer neue Überraschungen für die Ermittler gibt es im Fall Reinhold Zuber: Der 77-Jährige Pastor wurde offenbar letzte Woche in seiner Wohnung erschlagen – nun stellt sich heraus, dass das Leben des offen schwulen Geistlichen offenbar bewegter war als zunächst angenommen.

In den 1980er Jahren landete Pastor Zuber wegen Drogen vor Gericht

So hat der Tagesspiegel bereits gestern berichtet, dass Zuber bei der evangelischen Landeskirche nicht als Geistlicher bekannt gewesen sei. Über die Gründe darüber berichtet heute die Boulevardzeitung B.Z.: „Von 1973 bis 1983 arbeitete er in der Stadtmissionsgemeinde in Schöneberg, die Anfang der 1990er-Jahre aufgelöst wurde“, erklärte eine Sprecherin der Berliner Stadtmission der Zeitung.

Dann wurde das Dienstverhältnis aufgelöst – wegen „dienstlicher Differenzen“ – und, weil der Geistliche Umgang mit Drogen gehabt haben soll. Zuber wurde der Zeitung zufolge wegen des Handels und des Besitzes von Drogen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, danach war er nicht mehr für die Stadtmission tätig.

Boulevardzeitung berichtet von Spuren ins „kriminelle Stricher-Millieu“

Das wirft weitere Fragen auf: Denn Nachbarn zufolge hatte Zuber in seiner Wohnung oft Besuch und nutzte sie auch für Seelsorgegespräche. Doch in wessen Auftrag, und welche Menschen hat er seinen geistlichen Beistand gegeben? Auf dem Briefkasten des Pastors ist das „AIDS Projekt Begegnungsstätte Tiergarten” angegeben – das aber bei der Berliner Aids-Hilfe gänzlich unbekannt ist.

Die Polizei prüft derzeit jede mögliche Spur, bis jetzt sind 23 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Nach Informationen des Berliner Kurier führt eine Spur auch ins „kriminelle Stricher-Millieu“. Ein angeblicher Freund des Toten berichtet der Zeitung, dass Zuber „regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt“ habe.

Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen, die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe

Nun prüfen die Mordermittler, ob einer dieser jungen Männer den 77-Jährigen getötet hat. Denn ersten Erkenntnissen zufolge soll Zuber den Täter selbst in die Wohnung gelassen haben. „Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen, auch ein Raubmord kann daher derzeit nicht ausgeschlossen werden“, so ein Sprecher der Berliner Polizei.

Die Polizei bittet deshalb die Bevölkerung um Mithilfe: Gesucht werden Personen, die Reinhold Zuber kannten oder Informationen zu seinem Umfeld machen können. Auch Personen, die im Zeitraum der Tat – also letzten Dienstag oder Mittwoch – auffällige Beobachtungen gemacht hat, soll sich bei der Polizei melden.

Hinweise nehmen die 6. Mordkommission beim Landeskriminalamt in der Keithstraße 30 unter der Telefonnummer +49/(0)30/4664-911 666 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.