Gedenktag für die Opfer transphober Gewalt: Auch in Österreich ist noch viel zu tun

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Der 20. November ist seit 1999 der Gedenktag für die Opfer transphober Gewalt – und davon gibt es noch immer viel zu viele: „Beinahe jeden Tag wird eine trans* Person brutal ermordet, lediglich, weil sie nicht in das normierte Geschlechterbild passt. Vielfach handelt es sich dabei um trans* Women of Color und Sex-Arbeiter*innen“, weiß Anton Cornelia Wittmann, Geschäftsführung und Leitung des Trans*-Referats der HOSI Salzburg.

Die Dunkelziffer sei dabei um ein Vielfaches höher, da Polizei und Angehörige die wahre Identität der Verstorbenen oft verheimlichten oder es keine Informationen über die Verbrechen gibt, so Wittmann weiter.

Fast jede fünfte trans Person in Österreich erlebte schon Gewalt wegen ihrer Geschlechtsidentität

Gewalt gegen trans Personen gibt es auch in Österreich: Einer aktuellen Studie der EU-Grundrechteagentur (FRA) zufolge gab beinahe jede fünfte befragte trans Person an, wegen ihrer Geschlechtsidentität in den letzten fünf Jahren physische oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Angezeigt werden diese Fälle aber auch bei uns nur selten – es gibt also Handlungsbedarf: „Es braucht Sensibilisierung von Behörden und Gewaltschutz-Einrichtungen und eine landesweite Erfassung queer- und trans*feindlich motivierter Hassverbrechen“, fordert Wittmann.

Ewa Ernst-Dziedzic, Grüne Sprecherin für Außenpolitik, LGBTIQ- und Menschenrechte, betont außerdem, dass Stigmatisierung und Diskriminierung diese Hassverbrechen begünstigen würden. „Wir machen uns deshalb, wie im Regierungsprogramm verankert, an die Erarbeitung eines nationalen Aktionsplans für Menschenrechte“, so die Abgeordnete.

In den letzten Monaten hat sich die Situation für trans Personen noch nicht verbessert

Bis jetzt sei davon noch nicht viel zu merken, kritisiert die sozialdemokratische LGBT-Initiative SoHo: „Auch nachdem der diskriminierende Kickl-Erlass zum 3. Geschlechtseintrag durch die türkis-grüne Regierung geändert wurde, hat sich diese Situation nicht grundlegend verbessert“, meint SoHo-Transsprecherin Dominique Mras: „Wir fordern, dass jeder Mensch jenes Geschlecht im Reisepass vorweisen kann, in dem er auch lebt – egal ob Mann, Frau, inter oder divers. Und das ohne Pathologisierung, unnötige Bürokratie oder enorme Zusatzkosten“, fügt sie hinzu.

Diese Forderung wird auch von den Grünen geteilt: Für Ernst-Dziedzic gehören auch die volle Selbstbestimmung beim Geschlechtseintrag sowie bei der Wahl des Vornamens in den vereinbarten Aktionsplan der Regierung – ebenfalls ohne medizinische Diagnosen oder andere Hürden.

HOSI Salzburg: Österreich soll sich international für den Schutz für den Schutz von trans Personen einsetzen

Doch auch international sei Österreich in der Pflicht, sich für den Schutz der Grundrechte von transidenten und nichtbinären Menschen einzusetzen, ergänzt Wittmann. 73 Prozent der in Europa erfassten Opfer haben einen Migrationshintergrund und fast zwei Drittel waren vor ihrer Ermordung in der Sexarbeit tätig, verweist Ernst-Dziedzic auf die Daten des europäischen Dachverbands „Transgender Europe“ (TGEU). 

Das zeige, dass diesen besonders vulnerablen Gruppen auch hierzulande nicht ausreichend Schutz geboten werde, so die HOSI Salzburg. Es brauche deshalb geschulte Mitarbeitende im BFA, den Gerichten, den Unterkünften und beim Dolmetschen. Welche dieser Pläne und Forderungen umgesetzt werden, kommt in einem Jahr auf den Prüfstand – beim nächsten Gedenktag für die Opfer transphober Gewalt.