Bhutan legalisiert Homosexualität

Bhutan
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In Bhutan haben beide Kammern des Parlaments Mitte Dezember für die Aufhebung des Verbots homosexueller Handlungen gestimmt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, stimmten 63 der 69 Abgeordneten in der Hauptstadt Thimphu für die Aufhebung der beiden Strafrechtsparagrafen 213 und 214, die „unnatürlichen Sex“, darunter „Unzucht“ und „Geschlechtsverkehr gegen die Ordnung der Natur“, mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr ahnden.

Einen ersten Anlauf gab es schon im Juni 2019

Bereits im Juni 2019 hat die Nationalversammlung, eine der beiden Parlamentskammern, für eine Aufhebung der beiden Paragrafen gestimmt. Finanzminister Lyonpo Namgay Tshering, der den Vorschlag einbrachte, erklärte damals, dass das Verbot „überflüssig“ sei und das internationale Ansehen des Landes beschädige.

Doch Nationalversammlung und Nationalrat, die vom König ernannte zweite Kammer des Parlaments von Bhutan, konnten sich danach nicht auf die Einzelheiten der Reform einigen. Das hat die endgültige Verabschiedung verzögert.

Nach der Abstimmung in den beiden Kammern des Parlaments muss nun noch König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck die Reform unterschreiben, damit die beiden Paragrafen außer Kraft treten. Sie gehe noch auf die britische Kolonialherrschaft zurück.

Für die kleine LGBTI-Szene in Bhutan ist das Gesetz ein großer Fortschritt

Zwar sind aus dem kleinen Königreich in Südasien keine Verurteilungen aufgrund der beiden Strafrechtsparagrafen bekannt. Die kleine LGBTI-Community von Bhutan beklagte aber, dass die Gesetzeslage eine bessere Akzeptanz sexueller Minderheiten verhindere. Überhaupt ist man auch hier erst am Anfang: Tashi Tsering, ein Aktivist der Gruppe „Rainbow Bhutan“, erklärte dem Online-Magazin Vice, dass sich die Community erst 2010 organisiert habe.

Bhutan ist ein überwiegend buddhistischer Staat in Südasien, der vor allem durch das Himalaya-Gebirge geprägt wird. Er liegt zwischen Indien und China, ist ungefähr so groß wie Ostösterreich und hat rund 725.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Reisen nach Bhutan sind nur im Rahmen einer gebuchten Tour mit lizensierten Führern möglich.

LGBTI-Rechte sind dort – auch wegen des Verbots – ein blinder Fleck: Derzeit gibt es dort noch keine Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Partnerschaften amtlich eintragen zu lassen. Auch gibt es kein Antidiskriminierungsgesetz und keine Möglichkeit für schwule und lesbische Paare, Kinder zu adoptieren. Trans Menschen können außerdem ihr gelebtes Geschlecht nicht rechtlich anerkennen lassen.