Home Gesundheit HIV/Aids San Francisco erlaubt nach 40 Jahren wieder Gay-Saunen und Cruising-Bars

San Francisco erlaubt nach 40 Jahren wieder Gay-Saunen und Cruising-Bars

Eine Bestimmung aus dem Höhepunkt der Aids-Krise wurde revidiert

Sujetbild: Sauna
Fotolia/gpointstudio - Sujetbild

Nach fast vier Jahrzehnten hat die Stadt San Francisco ihr De-facto-Verbot von Schwulensaunen und Cruising Bars wieder aufgehoben. Das berichtet das LGBTI-Magazin Bay Area Reporter. Viele der Badehäuser und Lokale haben 1984 unter dem Eindruck der Aids-Krise geschlossen, um die Verbreitung von HIV zurückzudrängen.

Kein Sex in abschließbaren Räumen: Ein Relikt der Aids-Krise

Damals wurden in der kalifornischen LGBTI-Metropole – wie in vielen Städten der USA – nicht direkt die Saunen und Lokale verboten, aber abschließbare oder private Räume für Sex untersagt: Alle sexuellen Aktivitäten an solchen Orten mussten von den Mitarbeitern beaufsichtigt werden. Das sollte die Verbreitung von HIV eindämmen und wurde auch von einigen Aids-Aktivisten begrüßt.

Da die Saunen und viele Sex-Clubs diese strengen Regeln nicht einhalten konnten, mussten sie letztendlich schließen. Freunde dieser Art von Lokalen konnten ihrem Vergnügen daraufhin nur in benachbarten Städten wie Berkeley oder San Jose nachgehen, wohin auch einige der Betreiber aus San Francisco übersiedelten.

Strenge Auflagen: Kein Alkohol, Gratis-Kondome und HIV-Informationen

Nun erlaubt das Gesundheitsamt von San Francisco Sex-Clubs und ähnliche Orte wieder – unter strengen Auflagen: So muss in den Saunen und Lokalen vor Penetration ohne Kondom und Fisting ohne Latex-Handschuhen abgeraten werden. Kondome und Gleitgel müssen kostenlos in jeder Kabine bereitgestellt werden.

Außerdem müssen HIV-Informationen in Englisch, Spanisch, Chinesisch und Tagalog sichtbar ausgelegt werden. Prostitution und Alkoholkonsum sind verboten. Besucher, die betrunken oder unter Drogeneinfluss stehen, muss der Einlass verweigert werden. Die Saunen und Lokale müssen einen Eintritt verlangen. 

Alle Besucher der Saunen müssen bei ihrem Besuch unterschreiben, dass sie diese Bestimmungen akzeptieren. Damit soll die Verbreitung von HIV in diesen Lokalitäten auch weiterhin so gut wie möglich unterbunden werden.

Noch dieses Jahr könne es die erste neue Schwulensauna in San Francisco geben

Wer in San Francisco eine Schwulensauna eröffnen möchte, kann das ab sofort bei der Stadt beantragen. Es wird erwartet, dass noch dieses Jahr nach dem Abklingen der Corona-Pandemie die erste Herrensauna seit den 1980er Jahren eröffnet wird.

Welchen Zulauf sie in Zeiten von Grindr und anderen Dating-Apps haben wird, ist allerdings noch vollkommen unklar. Allerdings hofft der offen schwule Stadtrat Rafael Mandelman, der den Stadtbezirk Castro vertritt, dass die Saunen „Teil unserer wirtschaftlichen Erholung“ nach der Corona-Krise sein könnten.