Home Politik Europa Erdoğan: „LGBT, so etwas gibt es nicht“

Erdoğan: „LGBT, so etwas gibt es nicht“

Türkischer Präsident redet vor Anhängern über Studentenproteste

Recep Tayyip Erdoğan
Russ. Präsidentschaftskanzlei - CC BY 4.0

In der Türkei gehen die Studierendenproteste an der Istanbuler Boğaziçi-Universität weiter. Nachdem am Montag 159 Demonstrierende verhaftet wurden, befinden sich am Mittwoch nach Behördenangaben noch 29 Personen in Polizeigewahrsam, gegen elf weitere sei Hausarrest verhängt worden. Am Mittwoch hat sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan erneut zu Wort gemeldet – und sexuellen Minderheiten sogar ihre Existenz abgesprochen.

Demonstranten sind „Mitglieder von Terror-Organisationen“

Die Jugendlichen, die gegen die Besetzung eines Erdoğan-nahen Rektors protestierten, seien „Mitglieder von Terrororganisationen“, so der Präsident sichtlich verärgert bei einer Videoansprache zu Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP. Sie besäßen keine nationalen oder moralischen Werte der Türkei.

Erdoğan äußerte sich in der Rede wieder abwertend über sexuelle Minderheiten – diese engagieren sich auch unter den Protestierenden. „LGBT, so etwas gibt es nicht“, so der türkische Präsident. Bereits am Montag warf er der LGBTI-Bewegung in einer Rede vor der Parteijugend „Vandalismus“ vor.

Auch andere hochrangige AKP-Mitglieder machen gegen sexuelle Minderheiten mobil

Er lobte die AKP-Jugend in dieser Rede auch, weil sie das Land „nicht als LGBT-Jugend,“ in die Zukunft führen werde, sondern „als die Jugend, wie sie in der glorreichen Vergangenheit unseres Landes existierte“. Auch andere Regierungsmitglieder wie Vizepräsident Fuat Oktay oder Innenminister Süleyman Soylu griffen in den letzten Tagen die LGBTI-Community an.

Seit Anfang Jänner demonstrieren die Studierenden der Boğaziçi-Universität gegen den neuen Rektor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen AKP nahe und wurde von Präsident Erdoğan ernannt. Bulu selbst sagte am Mittwoch, er denke „keinesfalls“ an Rücktritt.

Eskaliert sind die Proteste letzte Woche, als insgesamt fünf Personen wegen „Verunglimpfung des Islam“ festgenommen. Sie sollen bei einer Kunstaktion der Studierenden ein Bild der Kaaba, der heiligsten Stätte des Islam, mit einer Regenbogen-, einer Trans-, einer Lesben- und einer Asexuellen-Flagge aufgehängt haben.

Zwei der Festgenommenen sind in Untersuchungshaft, zwei weitere befinden sich in Hausarrest. Die fünfte Person wurde kurz nach ihrer Festnahme wieder freigelassen. Die Polizei hatte in diesem Zusammenhang auch den LGBT-Club der Universität durchsucht.