SPD stellt ihren queerpolitischen Sprecher kalt

Nach der Wahl kein Bundestagsmandat für Karl-Heinz Brunner

Karl-Heinz Brunner
Karl-Heinz Brunner

Ziemlich unsanft dürfte Karl-Heinz Brunner, in der SPD-Bundestagsfraktion unter anderem Sprecher für queere Themen, aus der Spitzenpolitik gedrängt werden: Beim Online-Parteitag des bayerischen Bezirks Schwaben landete der 67-Jährige, der seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags ist, auf dem aussichtslosen zweiten Platz der „Männerliste“. Spitzenkandidat des Wahlkreises wird der 23 Jahre jüngere Bürgermeister von Alersheim, Christoph Schmid.

Brunner spricht von einem „abgekarteten Spiel“

Derzeit ist die SPD der Region mit zwei Abgeordneten im Bundestag vertreten: der Bezirksvorsitzenden Ulrike Bahr aus Augsburg und eben Karl-Heinz Brunner. Eigentlich wollte Brunner nicht mehr antreten, wurde aber nach eigenen Worten von Parteifreunden im Vorfeld gebeten, noch einmal zu kandidieren.

Gegenüber der Augsburger Allgemeinen spricht Brunner, der dem wirtschaftsfreundlichen Seeheimer Kreis zuzuordnen ist, von einem „abgekarteten Spiel“. Entweder sei er der Partei zu konservativ oder nicht stromlinienförmig genug, vermutet der 67-Jährige. Bei den nächsten Wahlen der Schwaben-SPD will er auch sein Amt als stellvertretender Bezirksvorsitzender zur Verfügung stellen.

Innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion gilt Brunner als einer der lautstärksten Unterstützer von LGBTI-Rechten. Im Jahr 2019 übernahm er von Johannes Kahrs den Posten des SPD-Fraktionssprechers für die Belange von Lesben und Schwulen, nachdem sich dieser überraschend aus der Politik zurückgezogen hatte. Vor einem halben Jahr outete sich Brunner, der mit einer Frau verheiratete Vater zweier Kinder, als schwul und erklärte, dass er seit fast zwei Jahren mit einem Mann zusammenlebe.

Dass Brunner von der Schwaben-SPD fallengelassen wird, kommt für die Partei zur Unzeit: Denn derzeit werden die Sozialdemokraten von der Community sehr kritisch beobachtet. Auslöser dafür war eine Online-Veranstaltung der Grundwertekommission und des SPD-Kulturforums, in der die FAZ-Journalistin Sandra Kegel ihre Kritik am Schauspieler:innen-Massenouting im Rahmen der Aktion #ActOut herunterspielen konnte, während sich plötzlich queere Kritiker im Laufe der Veranstaltung verteidigen mussten.

Der ehemalige SPD-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse legte kurz darauf nach: “Debatten über Rassismus, Postkolonialismus und Gender werden heftiger und aggressiver”, erklärte der 77-Jährige. Als er daraufhin von Alfonso Pantisano, LSVD-Vorstandsmitglied und Berliner SPDqueer-Landeschef, als „reaktionär“ kritisiert wurde, schlug Thierse zurück:  „Ich werde als reaktionär beschimpft, als Mann mit neurechtem Sprech, gewissermaßen AfD-Positionen. Vom Schwulen- und Lesbenverband wird das getrieben“, so der SPD-Politiker im Deutschlandfunk.