Polnische Ruderin Katarzyna Zillmann outet sich nach Silbermedaille

Die Athletin widmet die Medaille ihrer Partnerin

Katarzyna Zillmann
Katarzyna Zillmann/Twitter

Ein überraschendes Coming Out gab es am Mittwoch bei den Ruderbewerben der Olympischen Spiele in Tokio: Nachdem das polnische Team die Silbermedaille im Doppelvierer der Frauen gewonnen hatte, bedankte sich die frischgebackene Medaillengewinnerin Katarzyna Zillmann bei ihrer Partnerin. 

„Ich widme diese Medaille meiner Freundin Julia“

“Ich widme diese Medaille meiner Freundin Julia”, erklärte Zillmann, die gerade gemeinsam mit Maria Sajdak, Marta Wieliczko und Agnieszka Kobus-Zawojska den zweiten Platz hinter China belegt hatte. Zillmans Freundin Julia Walczak ist als Kanutin ebenfalls eine Wassersportlerin. Die beiden Frauen sind erst seit ein paar Monaten zusammen, wie Zillmann World Today News erzählte. 

Dabei hat die Ruderin aus ihrer Homosexualität nie ein Geheimnis gemacht: “Ich habe es bereits in verschiedenen Interviews erwähnt, aber anscheinend wurde es nach der Bearbeitung nicht ausgestrahlt”, berichtet sie. Nun hatte sie das Gefühl, die erreichte Aufmerksamkeit zu nutzen, um Menschen zu helfen, die LGBT-Community besser zu verstehen. 

Sie möchte ein Vorbild für andere sein

“Bis jetzt war meine Stimme noch nie so laut wie jetzt”, sagt sie: “Ich weiß, dass ich auf diese Weise anderen helfen werde. Es hat gereicht, dass ich mit einem T-Shirt aufgetaucht bin, auf dem “Sport gegen Homophobie” gestanden ist, und ich habe ein paar Nachrichten von jungen Mädchen bekommen, die rudern. Eine von ihnen hat sich mir anvertraut, ihre schwierige Situation zu Hause beschrieben und gesagt, dass ich ihr mit meiner Einstellung sehr helfe. Eine solche Nachricht reicht, um tausende Hasskommentare zu vergessen.” 

Die Botschaft, die sie weiter verbreiten will, ist einfach: “Lasst uns alle einander lieben. Entscheiden wir nicht, wen jemand lieben darf und wen nicht. Lasst uns die Augen offen halten für die Bedürfnisse anderer Menschen”, so Katarzyna Zillmann. 

Acht Medaillen für das Team LGBT

Es ist nicht das erste deutliche LGBTI-Signal des polnischen Nationalteams bei den Olympischen Spielen in Tokio: Bereits bei der Eröffnungszeremonie war die die Sportschützin Aleksandra Jarmolińska, die sich erst wenige Tage zuvor öffentlich geoutet hatte, mit einer Regenbogenmaske einmarschiert. 

Zillmann war nicht die einzige Athletin des Team LGBT, die bei Olympia für Edelmetall gesorgt hat: Stefanie Dolson hat im 3×3-Basketball mit dem US-Team Gold gewonnen, die US-Schwimmerin Erica Sullivan hat im 1.500-Meter-Freestyle-Bewerb überraschend Silber gewonnen. Damit haben LGBTI-Athlet:innen in Tokio acht Medaillen gewonnen – in der Nationenwertung würde das den 11. Platz ergeben.