Kardinal Woelki gegen Segnung Homosexueller, aber auch gegen Diskriminierung

Die „Stärkung des katholischen Eheverständnisses“ sei keine „Diffamierung homosexueller Menschen“

Rainer Maria Woelki
Erzbistum Köln/Reiner Diart

In einem Interview anlässlich seines 65. Geburtstags schließt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kirchliche Segungen homosexueller Paare kategorisch aus. Trotzdem müsse die Kirche sich aktiv gegen die Benachteiligung Homosexueller einsetzen, so der Kardinal gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die Bibel verbiete die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, sagt Woelki

Es sei nach katholischer Lesart der Bibel nicht möglich, „eine solche Beziehung zu segnen wie man die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau segnet“, so Woelki zur Segnung schwuler oder lesbischer Paare. Dieser Auffassung schließe sich auch die Glaubenskongregation im Vatikan an, verwies der Kölner Bischof auf ein Dekret aus dem März dieses Jahres, das auch innerhalb der Katholiken für deutlichen Widerspruch sorgte. Nach der Auffassung vieler protestantischer Kirchen in Deutschland ist eine solche Öffnung der Segnung allerdings möglich.

Es wäre deshalb „unwahrhaftig, mit dem Segnen einer homosexuellen Beziehung gleichzeitig ein öffentliches Zeichen gegen die Lehre der Kirche zu setzen“, so Woelki. Die „Stärkung des katholischen Eheverständnisses“ soll dabei „in keiner Weise als Diffamierung homosexueller Menschen“ verstanden werden. Man solle das Thema Homosexualität nicht auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen reduzieren. 

Kirche soll sich trotzdem gegen die Benachteiligung Homosexueller einsetzen

Die Kirche solle sich „aktiv gegen die Verfolgung und Benachteiligung von Homosexuellen einsetzen“, fordert der Kardinal – besonders dort wo es für sexuelle Minderheiten „zum Teil um Leben und Tod geht“. Bei den entsprechenden Amtskollegen scheint diese Meinung allerdings kein Gehör zu finden. So haben die Bischöfe von Malawi etwa noch 2016 die Strafverfolgung von Schwulen und Lesben gefordert.

Der Kölner Kardinal Woelki gilt innerhalb der römisch-katholischen Bischofskonferenz als Hardliner. Er ist auch der schärfste Kritiker des „synodalen Wegs“, einem Reformprozess der deutschen Katholiken, der sich unter anderem für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzt.

Woelki steht innerhalb seiner Diözese in der Kritik, weil ein Gutachten über sexualisierte Gewalt von Priestern an Kindern zunächst nicht veröffentlichen wollte. Das Gutachten stellt zwar keine Pflichtverletzungen bei Woelki selbst fest, sehr wohl aber bei seinen Vorgängern und anderen Entscheidungsträgern der Diözese, die unter Woelki auch im Amt waren.  Er selbst sieht in den Vorfällen keinen Grund, zurückzutreten.